1. Januar ALICE HINTER DEN SPIEGELN

    KALENDER: William Davies Evans *1790-1872 (Evans-Gambit), wal. Meister Lewis Carroll *1838-1892, am. Schriftsteller; Erich Zepler 1898-1980, dt. Studienkomponist; Alexander Nikitin *1935, russ. IM, Trainer von Kasparow; Jeroen Piket *1969, ndl. GM

    Through the Looking-Glass and What Alice Found There
    1871 gab Lewis Carroll (Charles Lutwidge Dodgson) den Nachfolgeband von Alice in Wonderland heraus.
    Anders als im ersten Band, wo Spielkarten als Dauerbrenner das Hauptthema darstellen,
    spielt die Handlung bei Alice hinter den Spiegeln rund um eine Schachpartie. Der Schluss einer regulären Partie bietet den Rahmen für eine bizarre und gleichzeitig liebevolle Reise in eine andere Welt. Alice, die in die Rolle des weißen Damenbauern schlüpft, muss ihren König nicht aus dem Schach bewegen; sie macht alle Züge beider Farben, allerdings nicht unbedingt in der gewohn- ten abwechselnden Folge; die Rochade der Damen ist eine weitere Spezialität dieser Anders-Welt. Bekannt wurden das Nonsensgedicht Jabberwocky, das Ei Humpty Dumpty, die Zwillinge Tweedledee und Tweedledum und die Rote Königin der Welt schenkten.

    Empfehlenswert ist die wunderbar kommentierte Ausgabe von Martin Gardner mit Originalillustrationen von John Tenniel.
    Alice könnte ganz traditionell spielen (Matt in 3): 1.Sg3+ Ke5 2.Dc5+ Ke6 3.Dd6#.
    Auf 1…Kd4/Ke3 folgte 2.Dc3#.

    Doch Hinter den Spiegeln verläuft alles ganz anders:
    1. Alice im (Bd2) begegnet der Roten Königin / Rote Königin auf h5;
    2. Alice trifft auf d4 (die Reise geht per Bahn über d3) Tweedeldee und Tweedledum / Weiße Dame auf c4;
    3. Alice begegnet der Weißen Dame / Weiße Dame verwandelt sich auf c5 in ein Schaf;
    4. Alice auf d5 / Weiße Dame lässt auf dem Weg nach f8 ein Ei zurück;
    5. Alice trifft das Ei Humpty Dumpty auf d6/Weiße Dame auf c8;
    6. Alice durchquert einen Wald nach d7 / Roter Springer auf e7;
    7. Weißer Springer nimmt Roten Springer / Weißer Springer hüpft auf f5 zurück;
    8. Alice krönt sich auf d8 / die Rote Dame eilt auf das schwarze Königsstartfeld e8;
    9. Alice wird Königin/ Die flexiblen Königinnen rochieren;
    10. Alice rochiert bei einem Fest / Weiße Dame geht auf a6;
    11. Alice nimmt die Rote Königin und setzt damit den statisch bleibenden König matt.

    Alice in Wonderland (V.R. Parton 1953) – eine Spielform ähnlich zur beliebten Variante des Tandem-Schachs.
    Grundidee:
    Es gibt zwei Bretter (A mit Grundstellung, B leer); eine Figur muss nach ihrem Zug auf das entsprechende Feld des anderen Bretts gesetzt werden.
    (1) Ein Spieler darf wählen, auf welchem Brett er seinen Zug machen möchte.
    (2) Ein Zug muss auf dem Brett, auf dem er ausgeführt wird, zulässig sein.
    (3) Eine Figur darf nur auf ein Feld bewegt werden oder schlagen, wenn das entsprechende Feld auf dem anderen Brett leer ist. Direkte Schachs sind daher nur auf dem Brett möglich, wo sich die ziehende Figur hinbewegt, d.h., wo die nun bedrohte Figur steht. Abzugschachs dagegen auf dem Brett eines Königs. Kurzkommentar: Für den Anfänger verwirrend, doch für Experimentierfreudige ungemein reizvoll. [nach Lewis Carrolls Alice benannt]

Quelle – pdf:

Schachkalender 27.01. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 27.01.

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