1. Februar BIOGRAFIE: DAVID BRONSTEIN

    KALENDER: David lonowitsch Bronstein *1924-2006, ukr.-russ. GM – Lew Loschinskí †1976

    Liebe zu Spiel und Ästhetik –
    David lonowitsch Bronstein hat für ein halbes Jahrhundert die Herzen der Schachspieler gefesselt,
    dies sowohl mit seinen Partien wie auch mit seinen Schriften über das Schach,
    allen voran seinem Buch über das Kandidatenturnier 1953 in Zürich.
    Dabei zeigte Bronstein in Interviews selbst hier Größe und Bescheidenheit genug, seinen Co-Autor Boris Wainstein nicht zu vergessen, der Bronsteins technische Analysen und seine Bil- der der Konkurrenten in stilvolle Worte zu fassen wusste. Zeitlebens war der 1924 in der Ukraine geborene Sohn eines Mühlenverwalters und einer Ärztin von Demut dem Leben gegenüber erfüllt, zeitle- bens aber wurde er auch bei jeder neuen Begegnung mit den zwei Höhepunkten seiner Schachkarriere konfrontiert, was ihn zu der frustrierten Äußerung trieb: ››Ich bin nicht Zürich 1953, und ich bin nicht 12:12.« Letzteres eine Anspielung auf Bronsteins ausgelassene Chance im WM-Kampf 1951 gegen den damals vom Regime bevorzugten wie geförderten Michail Botwinnik. Bronstein führte mit einem Punkt bei zwei ausstehenden Partien, und er war damals vermutlich der stärkste, kreativste Spieler der Welt.
    Aber Botwinnik sollte sein Trauma werden. Tausende Erklärungen für diese Enttäuschung folgten, wie die feindselige Atmosphäre, psychologischer Druck, die neue Freundin, die so gar nichts mit einem Schachchampion anzufangen wusste, der fehlende Wille, ein »Sowjet-Held« zu werden – immerhin kehrte Bronsteins Vater nach den Stalin’schen Säuberungen als gebrochener Mann aus dem Lager zurück. Letztere Erklärung passt durchaus zu Bronsteins politisch unbeeinflussbarer Haltung, wie auch seine Weigerung, eine Resolution gegen den 1976 emigrierten Kortschnoi zu unterzeichnen, zeigt.
    Die Konsequenz waren 14 Jahre Auslandsreiseverbot, also die Höchststrafe für einen sowjetischen Schachspieler.
    Zu viele wurden durch Ideologie wie Kapitalmacht zur inneren Immigration gezwungen und
    so ihres Lebens beraubt, aber so tolle Partien bleiben im Gegensatz zu Experimenten
    in den Schachgeschichtsbüchern wie Datenbanken (chess-databases.)

In der für Botwinnik entscheidenden 23. Partie zeigte sich sehr deutlich die Schach-Binsenweisheit,
dass bei freiem Spiel=leerem Feld die Läufer den Springern überlegen sind.
Anhand der 23.Runde der Schach-WM 1951 zwischen Botwinnik und Bronstein
ist zugleich aber auch der Zugzwang Schachnovizen in einer Partie von Quasi-Weltmeistern
(da beide 12 Punkte hatten) wunderbar demonstrierbar. Auch gehören die Springer nicht an den Rand und das Prinzip der Zentralisierung – das der erfahrene Schachkenner empfiehlt –
konnte nicht umgesetzt werden.
Partien zum Nachspielen hier – pgn:


Für den Beobachter der Szene ist der Misserfolg im einzigen WM-Duell äußerst bedauerlich, da Schach mit Bronstein als Weltmeister vielleicht eine andere Entwicklung genommen hätte. Bronstein war immer ein Vordenker, der vor allem die Schönheit des Spiels liebte, der dem Publikum Vergnügen be- reiten wollte. Ratings, Turniererfolge? Nun, hier hatte Bron- stein seine eigenen Ansichten. Den Elo-Wahn verglich der Ästhet abschätzig mit einer in den Arm eines Konzentrations- lagerinsassen eingravierten Nummer. Schach sollte nach Bronstein immer neue Wege gehen, Multi-Media-Präsentationen, Schnellschach, Zeitaufschläge für jeden Zug, Abschaffung der Hängepartien, all dies forderte David Bronstein schon lange vor den anderen großen Meistern.
Mit ihm haben wir ein Allroundgenie verloren, einen Mann, der Gambits ebenso spielen konnte wie strategische Manövrierpartien.
Sein Leben war das Schach!
Wie bei Tal – Kreativität pur.

Quelle -pdf:

Schachkalender 19.02. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 19.02.

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