2 . März BIOGRAFIE: CARL SCHLECHTER

KALENDER: Carl Schlechter *1874- 1918, öst. WM-Kand idat • Fritz Giegold *1903- 1978, dt. Probl em­ komponist
• Efim Geller 1925-1998, ukr. GM

Friedfertig, bescheiden, sympathisch –
und trotzdem fast Weltmeister

Der am 2.3.1874 in Wien geborene Carl Adalbert Hermann Schlechter entstammte ei­ner Künstlerfamilie:
Sein Vater Adalbert Eduard wie sein Großvater väterlicherseits, Friedrich Carl Wilhelm Schlechter,
der unter dem Pseudonym »Carl Haffner « das Libretto zur Ope­rette »Die Fledermaus « von Johann Strauß schrieb , waren Schauspieler und Schriftsteller. Mit 15 Jahren lernte Carl das Schachspiel kennen. Zuerst faszinierte ihn die Komposition von Schachproblemen.
Bald zeigte sich, dass seine größere Begabung in der praktischen Partie lag; schon das erste Turnier, an dem er teilnahm, brachte dem Jüngling 1893 den ersten Preis. Eine unvergleichliche internationale Karriere begann: Schlechter gehörte von 1895 bis zu seinem Tod stets zu den sieben besten Spielern der Welt.

Sein Spieltypus war universell: Alle Phasen der Partie behandelte er mit gleicher Virtuosität. Er war schlichtweg der Meister ohne Achillesferse. Sein friedfertiges Naturell verhinderte aber vielleicht noch größere Er­ folge. Der Höhepunkt seiner Schachkarriere war der WM-Kampf gegen Weltmeister Emanuel Lasker 1910, ein Drama sondergleichen: In dem auf nur zehn Partien ange­ setzten Wettkampf führte der Wiener nach dem Gewinn der fünften Runde bei acht Remisen bis zum Entscheidungskampf.
In dieser legendären Partie, in der Schlechter nur mehr ein Remis benötigt hätte, um den Wettkampf zu gewinnen, spielte er un­ gewöhnlich aggressiv, verpasste eine Gewinnfortsetzung, später das Remis und ver­lor schließlich noch, so dass der Wettkampf unentschieden ausging und Lasker die WM-Krone behielt.

Von 1912 bis zu seinem Tod gab Schlechter die renommierte »Deutsche Schachzei­tung« heraus und arbeitete überdies an einem gigantischen Werk, der Neuausgabe des Bilguerschen Handbuchs des Schachspiels, dessen 8. Auflage 1916 mit einem Umfang von 1040 Seiten erschien. Die schwere Zeit des Ersten Weltkriegs untergrub die ohnehin zarte Gesundheit Schlechters, da es für Schachmeister nun kaum mehr Möglichkeiten gab, Geld zu verdienen. Er hungerte sich buchstäblich durch diese Jahre, und als er im Dezember 1918 nach Budapest zu einer Simultanvorstellung eingeladen wurde, brach er zusammen und starb wenige Tage später am 27.12.1918 an einer verschleppten Lungenentzündung.

Verfasst von Michael Ehn


Quelle: -pdf.

Schachkalender 02.03. proSchach.de
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