25. März BIOGRAFIE: WASSILI SMYSLOW

KALENDER: Wladimir Tukmakow *1946, russ.-sowj. GM -Alexander Kotschiew *1956, russ. GM

Der Opernsänger und die »Klassische Klarheit des Gedankens«

Wenn man heute von den großen Schachmeistern der Geschichte spricht, wird meist Wassili Wassiljewitsch Smyslow vergessen. Ganz zu Unrecht, wenn man die enormen Erfolge inklusive der Erringung des Weltmeisterthrons und die schier unglaubliche schachliche Langlebigkeit (Smyslow stand noch 1983 als 62-Jähriger im Kandidatenfinale) berücksichtigt. Zugegeben, Wassili Wassiljewitsch spielte weniger spektakulär als etwa ein Tal oder Bronstein, um nur zwei seiner langjährigen Mitstreiter zu nennen, doch sein Stil war und ist von kunstvoller Harmonie geprägt. Besonders in der Spätphase einer Partie galt Smyslow lange Zeit als die unangefochtene Nummer eins der Welt. Tals Worte hallen nach: »Wassili Wassiljewitsch ist ein Virtuose des Endspiels.«
Smyslow wurde am 24. März 1921 in Moskau geboren. Hochgewachsen, reserviert, zeitweilig von Selbstzweifeln befallen, schwankte er lange Zeit zwischen zwei möglichen Karrieren: Schachmeister oder Opernsänger (Smyslow hatte eine wunderbare Baritonstimme). Sein natürliches Talent für das königliche Spiel entschied jedoch gleich- sam für ihn, denn mit dem Jugendmeistertitel der UdSSR 1938 begann der unaufhaltsame Aufstieg des Jungen aus dem Moskauer Haus der Pioniere. Smyslow war kein Eröffnungsstreber, der tausende Varianten herunterspulen konnte, doch hatte er, so Spasski, ››eine unglaubliche Intuition«. Diese zeigte sich auch in den zahlreichen Studien, die Smyslow bis ins hohe Alter komponierte.

Smyslows Theorie dazu: »Abgesehen vom ästhetischen Genuss, hilft die Studienkomposition zweifellos bei der Entwicklung und Vervollkommnung im EndspieI.« 1953 siegte Wassili Wassiljewitsch im Kandidatenturnier, und nun versuchte er den Schacholymp zu stürmen. Zunächst stand noch Michail Botwinnik im Weg, doch 1957 war der Gipfel erreicht. So wurde er durch den Sieg über Botwinnik Schachweltmeister von 1957 bis 1958. Wenn Smyslow den Titel auch wieder an den Maestro verlor, so blieb der Moskauer dennoch die nächsten Jahrzehnte ein Phänomen in der Schachszene. Und dies trotz der bisweilen durchbrechenden Dostojewskischen Schwermut, wie es Harold Schonberg in seiner exzellenten biografischen Sammlung ausdrückt.
Sein persönliches Credo: ››lm Schach wie im Leben ist der Mensch sein eigener gefährlichster Gegner.«

Abschließend die Stimme des holländischen Weltmeisters und FlDE-Präsidenten Euwe:
››Smyslows große Stärke liegt letztendlich in seiner Fähigkeit, dort Wege zu finden, wo es keine gibt.«


Quelle: -pdf.

Schachkalender 25.03. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 25.03.

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