30. März IM KAFFEEHAUS l

KALENDER: Augustus Mongredien †1888 Luis Rojas *1975. chil. IM

Würfeln – Billard – Schach -› 9. Juli

Schon bald nach der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahr 1683 wurden die ersten Kaffeehäuser gegründet. Ein gewisser Johannes Diodato bekam am 17.1.1685 als Dank für seine Kundschafterdienste gegen die Türken das Privileg, »solches orientalisches Getränkh auf 20 Jahr allein zu verkaufen«. Damit war der Grundstein für eine der bedeutendsten kulturellen Institutionen des Wiener und europäischen Geisteslebens gelegt. Das Kaffeehaus wurde zum Sitz von Künstlergeseilschaften und Literatenzirkeln – ein sozialer Korridor zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, ein neutraler Boden, wo man ohne Rücksicht auf Stand und Herkunft über Politik, Literatur oder Kunst disku- tieren konnte und dazu die Möglichkeit erhielt, sich durch die Lektüre von Zeitun- gen weiterzubilden, zu unterhalten und natürlich zu spielen. Bereits 1839 gibt es in Wien 88 Kaffeehäuser, deren Zahl im Laufe der nächsten Jahrzehnte konstant auf einige Hundert anstieg. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts spielte das Kaffeehaus eine immer größere Rolle für das Schachspiel, bis es im 19. und Anfang des 20. Jahr- hunderts die Institution des Schachspiels schlechthin wurde. Denn seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auch die meisten Schachklubs, die sich nun all- mählich zu bilden begannen, in Kaffeehäusern ansässig. Was wäre die Welt ohne die türkischen Kafeetradition. Ist Krieg deshalb nötig – wohl NEIN.

Das erste Kaffeehaus, für das das Schachspiel explizit erwähnt wird, ist das ››Milanesi- sche«, das in der josephinischen Zeit seine Blüte erlebte. Schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts tauchten in diesen Kaffeehäusern auch erste Schachprofessionals auf. Sie spielten um Geld und erteilten Schachunterricht, indem sie ihre Dienste per Anschlag oder Inserat offerierten. Das Schachspiel war jedoch vorerst im Gegensatz zum allgegenwärtigen Würfeln und Billard nicht stark verbreitet. Das erste richtige Schachcafé war das 1719 gegründete ››Kramersche Kaffeehaus«. Obwohl das Lokal, wie ein Zeitgenosse schildert, ››eine dunkle Höhle« war, die nur wenigen Menschen Platz bot, war es sehr beliebt, da viele Zeitungen auslagen. ln den Spielzimmern im ersten Stock fand man um 1800 die besten Schachspieler Wiens, hier residierten der alte Johann Baptist Allgaier und seine Schüler. Das zweite Schachcafé des vor- märzlichen Wien war das des Ignaz Neuner, auch das »silberne Kaffeehaus« genannt, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Rolle des Kramerschen übernommen hatte.
Verfasst von Michael Ehn

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Schachkalender 30.03. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 30.03.

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