6. April GESCHICHTE DER BEDENKZEITMESSUNG

KALENDER:  Ignatz von Kolisch *1837-1889, großer öst. Meister u. Mäzen – Florin Gheorghiu *1944, rum. GM u. Jugend-WM 1963 – Zhao Xue *1985, chin. WGM

Die Klappe fällt! -› FT 30

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Messung der Bedenkzeit im königlichen Spiel absolut unbekannt.
Einzelne Partien konnten sich über ganze Tage hinwegziehen.

1836 wurde erstmals in der berühmten Zeitschrift Le Palaméde von Saint-Amant über eine Zeitlimitierung im Schach nachgedacht, die Howard Staunton nach dem großen Londoner Turnier mit Hilfe zweier Sanduhren zur Wirklichkeit werden ließ.  
1861 begann mit dem Match Anderssen – Kolisch eine neue Ära. Allerdings waren die-se Messhilfen temperatur- und feuchtigkeitsabhängig. Auf dem Festland war die Stoppuhrmessung durch einen Schiedsrichters üblich.

Ab dem Londoner Turnier 1883 begann der Siegeszug der zunächst von Thomas Bright Wilson entwickelten mechanischen Pendeluhr, die durch Fattorini & Sons zur Perfektion gebracht wurde. Die Liverpooler Firma Frisch & Schierwater reichte schließlich 1884 das Patent zur Uhr moderner Prägung mit Druckknöpfen ein.
1894 produzierte der Leipziger Gustav Herzog die erste Uhr ohne Pendelmechanismus. Dieser Typus wurde dann vom Holländer Veenhof verbessert, der 1899 auf einen Vorschlag von H. D. Meijer, dem Sekretär der Niederländischen Schachvereinigung, das ominöse Fallblättchen ››zur vollen Stunde« anbrachte. (Britische Schachjournalisten bezeichneten dies treffend als guillotine!)

Beim Meisterturnier in Nürnberg 1906 wurde letztmalig eine von Siegbert Tarrasch vorgeschlagene Geldbuße für
zu langes Nachdenken vereinbart.

1964 erfolgte der Startschuss zur digitalen Bedenkzeitmessung im Schach.
Allerdings war das erste russische Modell ebenso wenig erfolgreich wie die noch bekanntere »Fischer- Uhr«.
Dennoch hat sich letztlich die ldee des Digital Game Timers, der Ende der achtziger Jahre vom Niederländer Ben Busink entwickelt wurde, durchgesetzt. Nun war es möglich, bei jedem Zug beliebig viel Zeit dazuzugeben.
Die neueste Errungenschaft: Zeitmessung per Modem und Server, um Cheater zu identifizieren.

Entwicklung der Zeitlimits
1861 Anderssen – Kolisch 24 Züge / 2 Stunden (Sanduhren)
1866 Anderssen – Steinitz 20 Züge/ 2 Stunden (Stoppuhren)
1870 Turnier Baden-Baden 20 Züge/ 1 Stunde (Stoppuhren)
1883 Turnier London 15 Züge /1 Stunde (ab nun Doppeluhren)
1908 WM Lasker – Tarrasch 15 Züge / 1 Stunde
1909 St. Petersburg 37 Züge / 21/2 Stunden
1922 Hastings 17 Züge / 1 Stunde
1927 New York 40 Züge / 2 1/2 Stunden
1986 Olympiade Dubai 40 Züge / 2 Stunden
1997 FIDE-WM 40 Züge/ 100 Minuten plus 30 Sekunden/Zug
heute Offizielle FIDE-Turniere 40 Züge / 90 Minuten + 30 Minuten für den Rest der Partie + 30 Sekunden/Zug
(beginnend mit dem 1.Zug)



Quelle: -pdf.

Schachkalender 06.04. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 06.04.

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