8. April BIOGRAFIE: HOWARD STAUNTON

KALENDER:  Howard Staunton (*?)1810-1894,engl.-inoff.WM • Lasker besiegt Marshall 1907 in einem Titelkampf
• Donald Byrne +1976·Arthur Dake • 1910-2000 amerik. GM

Shakespeare- Chess Player’s Chronicle- London 1851

Simpson’s Divan in London·war das englische Gegenstück zum Cafe de Ja Regence.
Hier herrschte nach seinem Sieg gegen Saint-Amant für knapp 15 Jahre Howard Staunton fast unwidersprochen als bester Spieler der Welt. Ähnlich wie die Wiener-Schach-Café-Szene – einfach der Magnet der Zeit.

Das Divan war gleichzeitig auch ein Treffpunkt für Künstler, Politiker und Dandys, also eine Bühne des gesell­ schaftlichen Lebens. Wer nun war Howard Staunton wirklich? Shakespeareforscher, Turnierorganisator, Simultanspieler oder nur Namengeber für das berühmte Figu­renset? Schonberg drückt es griffig aus:»Staunton war ein Vulkan.«

1810 geboren, hatte Staunton, so wird gemunkelt, als unehelicher Sohn des Fünften Earl Carlisle adeliges Blut in seinen Adern.
1841 gründete er das berühmte Schach­magazin The Chess Player’s Chronicle, in den vierziger Jahren seines Jahrhunderts verfasste er mehrere Bücher über Schach, und 1949 machte er sich (vermutlich un­ gewollt) unsterblich, als er einem Figurensatz eines gewissen Nathaniel Cook (oder war es vielleicht doch der Firmeninhaber John Jaques) seinen Namen schenkte.

Jahrzehnte später wurden die Staunton-Figuren offiziell für alle Schachturniere zur Norm erhoben. Howard Staunton war ein bisweilen schwieriger Zeitgenosse -über­heblich, starrsinnig und eigenwillig, ließen seine Schriften oft einen objektiven Blickwinkel vermissen. Staunton war auch eitel, ließ sein Familienwappen überall aufblitzen, trug nur vom Teuersten und musste ständig im Zentrum des Interesses stehen. Sein Schach war nicht durch außergewöhnliche Phantasie oder taktische Finesse geprägt, doch spielte er exakt, mit hohem technischem Können. Seine Zeitgenossen hatten dem wenig entgegenzusetzen. Der größte Beitrag zum Schach war zweifellos Stauntons·Organisation des 1. Inter­nationalen Turniers in London 1851 anlässlich der Weltausstellung. Und diese Veran­staltung wurde gleichzeitig seine bitterste Stunde. Dem deutschen Gymnasiallehrer Adolf Anderssen, der enorm kombinatorisches Schach zeigte und wesentlich talen­tierter war, konnte der Engländer nichts entgegensetzen. Er selbst führte seinen ent­täuschenden vierten Platz auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand zurück, wohlwissend, dass seine Schachepoche vorüber war. Fast umgehend stürzte sich Staunton nun in die Shakespeareforschung, nicht ohne jedoch seine Stärken im kö­niglichen Spiel weiterhin lautstark zu propagieren. Einem Morphy jedoch wich er wohlweislich aus. Howard Staunton starb am 22. Juni 1874 als hochgeachteter Mann. Und er bleibt uns unvergessen, denn auch wir werden bei unserer nächsten Partie vermutlich zu Staunton-Figuren greifen.



Quelle: -pdf.

Schachkalender 08.04. proSchach.de
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