19. April DAS POLGAR-EXPERIMENT

KALENDER: Conel Hugh O’Donel Alexander *1909-1974, brit. IM u. Entschlüsseler des Enigma-Codes – Zsuzsa Polgár *1969, ung.-am. GM, WWM 1996-1999  Antoaneta Stefanova *1979, bulg. GM, FWM 2004  

Geplantes Genie

Nicht nur Franziska van Almsick, Boris Becker oder Lang Lang haben extrem früh mit dem Training begonnen –
es gilt halt immer noch – früh übt sich, wer ein Meister werden will. Dennoch unumstritten ist dieser Weg zur finanziellen Freiheit nicht.

Das ebenso umstrittene wie umjubelte Experiment des László Polgár, den Beweis für ››planbares Genie« mit seinen eigenen drei Töchtern zu erbringen, muss heute als voller Erfolg bezeichnet werden. Der pädagogische Psychologe aus Ungarn ging davon aus, dass die Einflüsse von Umwelt und Familie entscheidend für die Lernqualität auf einem Spezialgebiet sein würden, viel mehr als die genetischen Voraussetzungen durch Vererbung. Zudem war Polgár der Ansicht, dass Frauen, sobald sie von den Rollenbildern der Gesellschaft losgelöst sind, gleich hohe Leistungen bringen würden wie Männer. Lászlo Polgárs Prinzip: hartes, diszipliniertes Training, starke Gegner, exzellente Trainer.

Der eigentliche Polgár-Weg begann mit der ältesten Tochter Zsuzsa, die im Alter von drei Jahren auf die fesselnden Geschichten des Vaters über die hölzernen Figuren mit Faszination und Liebe zum Schach reagierte. Schon ein Jahr später gewann sie die Budapester Mädchen-U11 mit einem Ergebnis von 10:0. Von nun an wurde nach einem minutiösen Tagesplan gearbeitet: Tischtennis, Unterricht, Schach – Tag für Tag ab 6 Uhr früh.

Mit elf Jahren wurde Zsuzsa U16-Weltmeisterin bei den Mädchen. Der wahre Nachweis für László Polgárs Theorie wurdejedoch von derjüngsten Toch- ter Judit erbracht. Sie wuchs bereits in ein intaktes Trainingssystem hinein, und sie spielte von Beginn weg nur bei den Männern mit. Dazu László Polgár: »Wenn ich mei- nem Kind statt heißem lauwarmes Wasser gebe, wird es nicht wissen, wie es mit heißem Wasser umgehen soll. … Wenn Portisch, Fischer oder Kasparow Frauenturniere hätten spielen müssen, hätten sie nie dieses Niveau erreicht.«

Dieser konsequente Weg führte zum Triumph aufvielen Ebenen: 1988 gewann das ungarische Damenteam in Thessaloniki die Goldmedaille bei der Olympiade (Judit erreichte phantastische 12,5/13), 1996 wurde Zsuzsa Weltmeisterin, 1989 erreichte Zsófia in Rom eine unvorstellbare Elo-Performance von 2897 Punkten. Und schließlich sprengte Judit alle bis dahin geltenden Grenzen.

Mit 12 Jahren schaffte die jüngste Tochter ihre erste GM- Norm, mit 15 Jahren und 4 Monaten brach sie den Rekord »jüngster Großmeister«, den bis dahin Bobby Fischer gehalten hatte, 2003 überschritt sie die magische Schwelle von 2700 Elo-Punkten.
Zeitweilig stand Judit sogar unter den Top-10 der Männer-Elo-Liste.

Dennoch bleibt die moralische Frage: Kann man und darf man seine Kinder so erziehen, wie es László Polgár vorexerzierte?
Darf man Kinder für Experimente dieser Art heranziehen?
Kann man prognostizieren, welchen Preis man für diese Erfolge wird bezahlen müssen?
Mit Plan wurde Deutschland auch 2014 Fußballweltmeister.

Was bleibt ist der Beweis für die These: Genie ist planbar! (Auszug aus einem Aufsatz von Harald Schneider-Zinner)

Gelungen!

Quelle: -pdf.

Schachkalender 19.04. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 19.04.

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