05. Mai BIOGRAFIE:  RUDOLF SPIELMANN

KALENDER: Rudolf Spielmann  *1883-1942,  öst. GM · Andor  Lilienthal *1911, ung. GM • Roman Dzindzihasvili *1944, georg. GM •
Michail Botwinnik +1995

Der Inbegriff des Anfriffsspielers – ähnlich wie später Tal

Seine Zeitgenossen nannten ihn den »Ehrenritter des Königsgambitordens« und den »letzten Romantiker«, er galt als der Inbegriff des Angriffsspielers und opfer­ freudigen Taktikers . In einem Zeitalter, in dem techni­ sches Können und eröffnungstheoretische Vertiefung der Maßstab aller Dinge war, hing der am 5. 5. 1883 in Wien geborene Rudolf Spielmann dem abenteuerli­ chen Stil des 19. Jahrhunderts an. Obwohl er durch seinen Väter Moriz Spielmann, einen Zeitungsredak­ teur, schon von früher Kindheit an mit Schach vertraut war, stand zunächst sein älterer Bruder Leopold im Mittelpunkt, der als Wunderkind am Klavier galt. Zum Kaufmann ausgebildet, kehrte Rudolf Spielmann die­ sem für ihn unbefriedigenden Beruf früh den Rücken und wurde Schachprofessional – proSchach oder eben Schachprofi. Trotz extrem schwankender Ergebnisse – er gewann zahlreiche Turniere, landete aber ebenso oft an letzter Stelle – war er bei Organisatoren und beim Puplikum ein gern gesehener Teilnehmer: Stets waren spektakuläre Partien zu erwarten, seltener musste dafür Preisgeld ausbezahlt werden.

Sein Nimbus war durch eine Reihe glänzender Opfersiege und -angriffe wohlbegründet. Mit dem Ausspruch »Der Angriff ist das Salz des Schachspiels« brachte er sein Credo auf eine Kurzformel, und in seinem Hauptwerk »Richtig opfern!«, untersuchte er erstmals Opferarten primär nach ihrer Funktion.

Seine Mobilität, obgleich erzwungen, war  bemerkenswert:  Über  120  Turniere, 50 Zweikämpfe und mehr als 1800 ernste Partien zählt die Statistik. Trotz seines ag­ gressiven Stils am Schachbrett war Spielmann ein gutmütiger Mensch, der gern im Wiener Dialekt raunzte, ein »dicker Faulpelz, der gutes Essen und gutes Bier jeder Be­ schäftigung welcher Art immer vorzog«, ein außerordentlich bescheidener und Frauen gegenüber ein verlegener Mann, fatalistisch und abergläubisch. Depressive Stimmungen wechselten rasch mit Hochs. Sein Ende war traurig: Als Jude floh er nach der Okkupation Österreichs durch das NS-Regime 1938 zunächst nach Prag und  entkam 1939 nach der Okkupation der Tschechoslowakei im allerletzte,n Au­ genblick nach Schweden, während sein Bruder, der in Prag geblieben war, Opfer des Nationalsozialismus wurde. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Rudolf Spielmann im schwedischen Exil in bitterer Armut und bei rasch schwindender Gesundheit. Die Umstände seines Todes am 20.8.1942 in Stockholm sind bis heute nicht restlos ge­klärt.

Verfasst von Michael Ehn




Quelle: -pdf.

Schachkalender 05.05. proSchach.de
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