1. Januar CHATURANGA

KALENDER:
Lionel Kieseritzky *1806-1853 Iivländ. Meister / Klaus Junge *1924-1945, dt. Meister

Die Geburt des Schachs ist rätselhaft und wunderbar wie das Spiel selbst.
(Joachim Petzold)

Seit Jahrhunderten wird über die Entstehung des königlichen Spiels gerätseIt.
Und ganz konnten selbst auf Schach spezialisierte Historiker nicht in die Tiefen der Zeit eindringen. Aber eines scheint festzustehen: Indien war das Geburtsland des Schachs, und irgendwann in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts muss die erste Figurenbewegung stattgefunden haben. Ob diese Zeitangabe nur für das Zweischach gilt oder
auch für die im Diagramm gezeigte Vierschach-Würfelform, ist bei den spärlichen Quellen nicht sicher zu belegen. Der indische Würfel barg jedoch auch ein Element der Geschicklichkeit, ist also keinesfalls als reiner Glücksfaktor zu verstehen. Jedenfalls standen früher Elefanten neben den Königen, die entsprechend ihrer Schwerfälligkeit nur diagonal eine Figur überspringen konnten.

Warum nun sieht man Indien als Ursprungsland und nicht etwa China mit der dort üblichen Schachform Xiangqi? Nun, allein der Name Chaturanga (altind. Chatur=vier;anga-GIied) bietet einen interessanten Hinweis. Einerseits bedeutet dieses Wort im Sanskrit sowohl Heer als auch Schach, andererseits bestand das indische Heer der damaligen Zeit wie wir aus den Eroberungszügen Alexanders des Großen wissen – aus exakt vier Waffengattungen, die vollständig und in ihrer natürlichen Bewegung durch das Spiel symboIisiert werden: Fußtruppen (padati), Kampfwagen (rath), Reiterei (ashwa) und Kriegselefanten (haahti). Zumindest Letztere gab es im Reich der Mitte nicht – und „Lehnfiguren“ aus Indien scheinen aus politischer Räson unwahrscheinlich.

Zur Datierung des Spiels: Da später in Indien zwei weitere Heeresteile dazukamen,
passt auch die Entstehungszeit vollkommen ins geschichtliche Puzzle. Als historisch nicht haltbar gilt dagegen heute der Bezug des Begriffs „viergliedrig“ auf die Vierschach-Grund-stellung (siehe Abbildung), aus der sich dann das Shatrang (Zweischach) herausgebildet
haben soll. Dem König (raja) wurde demnach ein Wesir (mantri) an die Seite gestellt. Hundertprozentige Sicherheit zur Entstehung des königlichen Spiels kann es jedoch nicht geben, wie Joachim Petzold in seinem schönen Eingangszitat betont.

Quelle -pdf:

Schachkalender_01.01._proSchach.de
Schachkalender_01.01._proSchach.de

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