1. Januar BIOGRAFIE: PAUL KERES
    KALENDER:
    Hans Johner *1889-1975, schweiz. IM Paul Keres *1916-1975, estn.-sowj. GM u. WM- Kandidat, Krishnan Sasikiran *1981, ind. GM Luke McShane *1985, eng, GM Harry Golombek †1995

    Geschätzt, verehrt, geliebt – der ewige Zweite und dennoch unheimlich sympathisch.
    Paul Keres
    Hunderttausende Trauernde säumten die Straßen Tallinns, als Paul Keres im Juni 1975 zu Grabe getragen wurde. Sein Bild ziert die estnische Fünf-Kronen-Banknote.
    Und hören Sie die Stimme eines unbekannten alten Mannes zur Gefühlslage der Esten:
    ››Ich weinte beim Tod von Keres so, wie ich nie zuvor geweint hatte.«

    Wohl kein Schachspieler hat je derartige Verehrung genossen wie dieser Gentleman par excellence, der zeitlebens die Freundlichkeit des Aristokraten ausstrahlte.
    Man könnte sagen nur Kasparov hat vielleicht noch mehr Energie bzw. Charisma zu seinen besten Zeiten. Keres wurde am 7. Januar 1916 in eine Schneiderfamilie hineingeboren. Wenn auch nicht als Wunderkind gefeiert, so fiel Paul bereits früh durch hervorragendes Spiel wie auch durch tiefe Problementwürfe auf. Keres hatte aber viele Talente. Er studierte nebenbei Mathematik und brachte es als Tennisspieler zum Vizemeister seines Heimatlandes. 1937 war das erste große Schachjahr des Esten. Fünfmal konnte er in internationalen Turnieren zumindest den geteilten ersten Platz erreichen, und man begann bereits über einen Weltmeisterschaftskampf gegen Aljechin zu munkeln. lm Sommer 1940 marschierten jedoch sowjetische Truppen in Estland ein, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen – und Keres musste vorerst warten. Schach stand, wie jede geistige Aktivität, für Jahre im Abseits. 1948 griff Keres erneut entschlossen, wenn auch letztlich vergeblich nach der Krone im königlichen Spiel. Viermal wurde der sentimentale Favorit der Schachfans in Kandidatenturnieren Zweiter, jedes Mal vom Glück verlassen beim Versuch, die letzte Sprosse auf der Leiter des Triumphes zu meistern. Die Schachwelt wusste um seine Stärken, und 1960 machte Südafrika einen in der Geschichte der WM-Qualifikationen einmaligen Vorschlag: Keres ob seiner Verdienste außerhalb des WM-Zyklus einen Titelkampf austragen zu lassen. Nun, wie nicht anders zu er- warten, folgte der geharnischte Protest der sowjetischen Delegation;
    Keres, der mit seinem Auftreten seit der Einverleibung seiner Heimat stillen Protest signalisierte, schien ihr nicht linientreu genug. Dem großen Esten sollte das Schicksal des ewigen Zweiten nicht erspart bleiben. Auf der Rückreise von einem Turnier in Vancouver hörte sein Herz endgültig auf zu schlagen. Doch bleibt uns Boris Spasskis großer Nachruf: »Es war unmöglich, ihn, einen Menschen mit einmaligen Charaktereigen- schaften, nicht zu mögen.«

Quelle – pdf:

Schachtageskalender 07.01.
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