23. März BIOGRAFIE: VIKTOR KORTSCHNOI

KALENDER: Ado(lf) Kraemer *1989-1972, dt. Problemkomponist – Mato Damjanovió *1927,
jug. GM-Viktor Lwowitsch Kortschnoi *1931-2016, russ.-schweiz. GM – Edward Lasker †1981

Talent, Zähigkeit und Charakterstärke – Viktor der Schreckliche


Kortschnoi bleibt auch in hohem Alter ein Phänomen.
Willensstark, mit unendlicher Liebe zum königlichen Spiel und der Zielstrebigkeit eines aufstrebenden Meisters, schafft es Viktor der Schreckliche, wie er seit Jahrzehnten liebevoll-ehrfürchtig genannt wird, auch jenseits der siebzig, so manch jungen Schachprofi das Fürchten zu lehren.

1944, während Russland noch in die Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwickelt war, fand sich der junge Viktor im Pionierpalast im damaligen Leningrad vor die Wahl gestellt, Rede, Musik oder Schach zu belegen.
Er entschied sich für das königliche Spiel und wurde fortan zu einem außergewöhnlich charakterstarken Meister, der 1978 und 1981 in seinen beiden Titelkämpfen gegen Anatoli Karpow die Schachgeschichte mitschrieb.

Beide Male wurde er schließlich bezwungen, in Baguio 1978 (Philippinen) in politisch aufgeheizter Stimmung nach einem sensationellen Comeback mit 5:6 bei 21 Unentschieden.

Der Grund für die politisch gefärbten Untertöne bei diesem in argwöhnischer und feindseliger Atmosphäre abgewickelten Match war zweifellos Kortschnois Abfall vom Sowjetreich zwei Jahre zuvor.

Wie lauteten doch die Schlagzeilen am 26.Juli 1976: ››Kortschnoi hat die Freiheit gewählt«
Zwei Jahre später erzielte er am ersten Brett bei der Schacholympiade für seine Wahlheimat Schweiz mit 9/11 das Topresultat.
Dabei kehrte Kortschnoi dem Sowjetreich nicht den Rücken, um politischen Aktivismus zu leben, sondern ausschließlich im Wunsch, ungehindert Schach spielen zu können. In der sowjetischen Presse war sein Name fortan ein Tabu. Schien er in Turniertabellen an vorderster Front auf, so wurden Vokabeln wie ››Verräter« oder ››Wendehals« anstelle des vollen Namens gesetzt.

Dabei ist Kortschnoi zweifellos ein prinzipientreuer Mensch. Selbst bei einer Einladung für einen Schaukampf in Havanna, wo unter den Simultanspielern kein Geringerer als Che Guevara saß, kannte der Leningrader nur ein Ziel, den Sieg auf dem Brett. Tals Ratschlag, den großen Revolutionär aus politischer Räson zu schonen, war für Kortschnoi keine Sekunde lang denkbar. Auf die Nachfrage Tals, warum er auch gegen Che gewinnen musste, kam die knappe Antwort: ››Er hat von der Katalanischen Eröffnung keinen blassen Schimmer.« Genauso lebt und denkt Viktor Kortschnoi selbst bis zum letzten Tag – in der Regel als ältester Teilnehmer bei allen GM-Turnieren. Sein Beiname wurde zum schachlichen Lebensmotto!



Quelle: -pdf.

Schachkalender 23.03. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 23.03.

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