Schachkalender – 08.01.

  1. Januar TITELTRÄUME
    KALENDER: Boris Werlinsky *1888-1950
    Herman Pilnik *1914-1981, dt.-arg. GM – Alexander Kotow †1981
    Elisabeth Pähtz *1985, dt. WGM

Großmeister 1838 erwähnte die Londoner Zeitung BeIl’s Life erstmals den Titel Großmeister. 1914 verlieh Zar Nikolaus ll. den GM-Titel an die fünf Finalisten des St. Petersburger Turniers:
Lasker, Capablanca, Aljechin, Tarrasch, Marshall.
1927 wurde in der Sowjetunion ein nationaler GM-Titel geschaffen und dieser 1929 auch erstmals an den Landesmeister Boris Werlinsky verliehen. Weiterer >>Rekord<< der Sowjetunion: Der GM-Titel wurde 1931 ersatzlos wieder gestrichen. 1935 erhielt der linientreue Michail Botwinnik den zum zweiten Mal geschaffenen nationalen GM-Titel der Sowjetunion.
1950 zeichnete die FIDE 27 Spieler mit dem Großmeister-Titel aus:
Bernstein, Boleslawski, Bondarewski, Botwinnik, Bronstein, Duras, Euwe, Fine, Flohr, Grünfeld, Keres, Kostic, Kotow, Löwenfisch, Lilienthal, Maróczy, Mieses, Najdorfi Ragosin, Reshevsky, Rubinstein, Sämisch, Smyslow, Ståhlberg, Szabó, Tartakower und Vidmar.
Jacques Mieses war zum Zeitpunkt der Erlangung des GM-Titels bereits 85 (!) Jah- re alt. Auch George Koltanowski bekam 1988 als 85-Jähriger diesen Titel honoris causa. Géza Maróczy stand immerhin im 81. Lebensjahr. Elf der ersten 23 Großmeister wurden im 19. Jahrhundert geboren. Kontrapunkt: David Bronstein war mit 26 der Jüngste im Bunde.
Robert Fischer wurde mit 15 Jahren, 4 Monaten und 28 Tagen GM, also Großmeister.
Heute hält Sergei Karjakin den Rekord (siehe Wunderkinder -› 26. Nov.)
Das jüngste Mädchen mit dem „männlichen“ GM-Titel ist seit kurzer Zeit die lnderin Humpy Koneru (15 Jahre, 1 Monat, 27 Tage).

Jung und Alt
Wassily Smyslow spielte als 63-Jähriger gegen Garri Kasparow (damals 21 Jahre alt) ein Kandidatenmatch. Er war genau dreimal so alt wie sein Gegner. 1996 trug Smyslow als 75-Jähriger eine Turnierpartie gegen Etienne Bacrot (damals 13!) aus.
Zwischen Samuel Reshevskys erstem und letztem Gewinn der US-Meisterschaft (1933 und 1969) liegt eine Zeitspanne von 36 Jahren. Mit 7 Jahren gab das Wunderkind Reshevsky bereits Simultanvorstellungen.
Joseph Blackburne spielte sowohl im zweiten Turnier der Geschichte 1862 in London als auch 1914 im St. Petersburger Großmeisterturnier.
Erik Lundin aus Schweden wurde knapp vor seinem 80. Geburtstag GM.
Michail Botwinniks Schachschule wurde von drei Weltmeistern besucht:
Karpow, Kasparow und Kramnik.
Milan Vidmar gewann das Turnier von Basel 1952 im Alter von 67 Jahren.
Viktor Kortschnoi brach altersmäßig alle Rekorde: Er siegte einen Monat vor
seinem 70. Geburtstag 2001 in Biel. Außerdem besiegte er 2001 den um 52 Jahre jüngeren FIDE-Weltmeister Ruslan Ponomarjow.

Quelle – pdf:

Schachtageskalender 08.01.
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Schachkalender – 07.01.

  1. Januar BIOGRAFIE: PAUL KERES
    KALENDER:
    Hans Johner *1889-1975, schweiz. IM Paul Keres *1916-1975, estn.-sowj. GM u. WM- Kandidat, Krishnan Sasikiran *1981, ind. GM Luke McShane *1985, eng, GM Harry Golombek †1995

    Geschätzt, verehrt, geliebt – der ewige Zweite und dennoch unheimlich sympathisch.
    Paul Keres
    Hunderttausende Trauernde säumten die Straßen Tallinns, als Paul Keres im Juni 1975 zu Grabe getragen wurde. Sein Bild ziert die estnische Fünf-Kronen-Banknote.
    Und hören Sie die Stimme eines unbekannten alten Mannes zur Gefühlslage der Esten:
    ››Ich weinte beim Tod von Keres so, wie ich nie zuvor geweint hatte.«

    Wohl kein Schachspieler hat je derartige Verehrung genossen wie dieser Gentleman par excellence, der zeitlebens die Freundlichkeit des Aristokraten ausstrahlte.
    Man könnte sagen nur Kasparov hat vielleicht noch mehr Energie bzw. Charisma zu seinen besten Zeiten. Keres wurde am 7. Januar 1916 in eine Schneiderfamilie hineingeboren. Wenn auch nicht als Wunderkind gefeiert, so fiel Paul bereits früh durch hervorragendes Spiel wie auch durch tiefe Problementwürfe auf. Keres hatte aber viele Talente. Er studierte nebenbei Mathematik und brachte es als Tennisspieler zum Vizemeister seines Heimatlandes. 1937 war das erste große Schachjahr des Esten. Fünfmal konnte er in internationalen Turnieren zumindest den geteilten ersten Platz erreichen, und man begann bereits über einen Weltmeisterschaftskampf gegen Aljechin zu munkeln. lm Sommer 1940 marschierten jedoch sowjetische Truppen in Estland ein, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen – und Keres musste vorerst warten. Schach stand, wie jede geistige Aktivität, für Jahre im Abseits. 1948 griff Keres erneut entschlossen, wenn auch letztlich vergeblich nach der Krone im königlichen Spiel. Viermal wurde der sentimentale Favorit der Schachfans in Kandidatenturnieren Zweiter, jedes Mal vom Glück verlassen beim Versuch, die letzte Sprosse auf der Leiter des Triumphes zu meistern. Die Schachwelt wusste um seine Stärken, und 1960 machte Südafrika einen in der Geschichte der WM-Qualifikationen einmaligen Vorschlag: Keres ob seiner Verdienste außerhalb des WM-Zyklus einen Titelkampf austragen zu lassen. Nun, wie nicht anders zu er- warten, folgte der geharnischte Protest der sowjetischen Delegation;
    Keres, der mit seinem Auftreten seit der Einverleibung seiner Heimat stillen Protest signalisierte, schien ihr nicht linientreu genug. Dem großen Esten sollte das Schicksal des ewigen Zweiten nicht erspart bleiben. Auf der Rückreise von einem Turnier in Vancouver hörte sein Herz endgültig auf zu schlagen. Doch bleibt uns Boris Spasskis großer Nachruf: »Es war unmöglich, ihn, einen Menschen mit einmaligen Charaktereigen- schaften, nicht zu mögen.«

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Schachtageskalender 07.01.
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Schachkalender – 06.01.

  1. Januar MISSION IMPOSSIBLE
    KALENDER: EJ Leonid lwanowitsch Kubbel *1892-1942†, russ. Problemkomponist
    Hermann Helms †1963

    Leonid Kubbel (eigentlich Karl Arthur Leonid, er hatte deutsche Vorfahren) war einer der gro- ßen Meister der Komposition. lm bürgerlichen Beruf war dieser kreative Denker Chemie-lnge- nieur. Er starb während der Blockade Leningrads. Kubbel erwarb mehr als 120 Auszeichnun gen für seine Studien und Probleme. Erfreuen Sie sich an diesem exquisiten Kunstwerk! Sie dürfen sich diese Studie wahrlich auf der Zunge zergehen lassen. Auch die beiden Brüder Arwid und Evgeni waren hervorragende Studienkomponisten und machen das CEvre dieser Familie zu einem gigantischen Fundus von über 1000 Kompositionen. Elegant auch Grigorij Popovs Mischung aus dem berühmten „Indischen Problem“ und dem Excelsiormarsch des Bauern -excellent.

    Leonid Kubbel in Schachmatny Listok 1922
    Weiß gewinnt. Von den Toten auferstanden, könnte man meinen, wenn man diese unerwartete Zugfolge vor dem geistigen Auge abrollen lässt.
    Die Bezeichnung »mission impossible« ist ähnlich stark wie gleichnamige Filme von Hollywood-Größen wie Tom Cruise und ist für diese Kubbel-Kreation ist mehr als verdient.
    Es beginnt mit einem dramatischen Opfer:
    1 .Sc6!! Zieht Schwarz mit seinem Bauer auf der a-Linie, folgt die Gabel durch den kecken Springer. Also 1 …Kxc6 2.Lf6! mit Blick auf das Umwandlungsfeld in der Ecke.
    2…Kd5 schützt den d-Bauern. Aber nun folgt ein wahrlich sensationeller Zug:
    3.d3!! Der eigene Bauer versperrt die Angriffslinie. 3…a2 scheint locker flockig zu gewinnen.
    Doch es geht weiter:
    4.c4+ 4…dxc4e.p. (e.p. = en pessant = Schlagen im Vorübergehen)
    5.Lxc3 4…Kc5 5.Kb7!!. Schwarz darf sich eine Dame holen:
    5…a1D.
    Tatenlos muss die frische schwarze Lady das überraschende Matt durch 6.Le7# mit ansehen! Grandissimo!
    Grigorij Popov Turnier für Problemkomponisten, Wien 2007
    Matt in 9#
    Schwarz ist nahezu unbeweglich.
    Und so gibt es eine forcierte (Schachprofis sprechen von erzwungenen = einzigen Zügen)
    Folge von solchen Zügen.
    1.Le4! Lf6 2.Lh7+ Ld4 3.Te4 Kd3 4.Th4+ Kc4 5.g4 Lf6 6.g5+ Ld4 g6 Kd3 8.g7+ Kc4 9.g8D/L# Studienartiger Durchmarsch! –
    Und: „The winner is – running Forrest, der laufende weiße Bauer.

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Schachtageskalender 06.01.
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Schachkalender – 05.01.

  1. Januar PRINZESSIN DILARAM
    KALENDER:
    Hermann Helms *1870-1963 (Reeder-DGzSR), amerik. Journalist- Lutz Espig *1949,
    dt. GM – Oldrich Duras †1957

    Märchenhaft anmutende Schachkombinationen gehören zum wertvollen Kulturerbe arabi- scher Völker. Das Kronjuwel der Problemkunst ist zweifellos das hier präsentierte Matt der Dilaram. Der Legende nach stand der leidenschaftlich dem Schach verfallene Großwesir Mur- wardi vor dem finanziellen Ruin. Als letzten Einsatz bot er seine Lieblingsfrau Prinzessin Dila- ram, die ihm in höchster Not den rettenden Einfall einflüsterte: “Opfere nicht mich, nimm die Türme.” Offensichtlich pflegten damals Frauen, selbst Sklavinnen, die Schachspielkunst, was ihren gesellschaftlichen Wert ungemein steigerte.
    Darunter: eine Hoffmann-Kombination mit dem Lucena-Matt.
    Abu-Bakr`Muhammad ben Yahya as-Suli Manuskript Abd ‘al Hamid Nr. 96, 10. Jahrhundert (vor 946) Matt in 5 Zügen
    Eine kleine Regelfeinheit vorweg: Im arabischen Schach ist der Läufer (Alfil) ein Elefant, der diagonal auf das übernächste Feld ziehen kann.
    Hier kontrolliert er also f1 und f5. Sehen Sie schon die Lösung?
    Lösung: 1.Th8+ Kxh8 2.Lf5+ Kg8 3.Th8+ Kxh8 4.g7+ Kg8 5.Sh6#. Matt der Dilaram!

    Fritz Hoffmann 1977 Matt in 5 Zügen Wer ist am Zug? Das ist die große Frage. Schwarz setzt durch die berühmte Lucena-Kombination aus dem Jahre 1497 (-› 3.Feb.)
    in 5 Zügen matt, Weiß braucht ebenso viele Züge für die brillante Imitation der mittelalterlichen Dilaram-Mattführung.
    Schwarz: 1.Dd3+Ka1 (falls 1. …Kc1 folgt Matt unmittelbar),
    2.Sc2+ Kb1 3.Sca3++ Ka1 4.Db1+ Txb1 5.Sc2#.
    Dieser Erstickungstod läutete die Neuzeit ein!
    Weiß: 1.Th8+ Kxh8 2.Sg5+ Kg8 3.Th8+ Kh8 4.Dh1+ Kg8 5.Dh7#.
    Prinzessin Dilarams Doppel-Turmopfer! Vom Mittelalter in die Neuzeit!

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Schachtageskalender 05.01.
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Schachkalender – 04.01.

  1. Januar MÖGLICH – UNMÖGLICH!
    KALENDER: Ioannis Nikolaidis *1971, griech. GM
    Leonid Kubbel kann mit seinen Studien fesseln wie selten Einer.
    Einer der besten Aufgabenkomponisten neben Philipp Stamma (18.Jh.), Julius Mendheim (19.Jh.), Johannes Kohtz und Carl Kockelkorn (mit Matt in n-Zügen), ARVES (Alexander Rueb Vereniging voor SchaakEindspelStudie) (20.Jh) war Leonid Kubbel. Wahnwitz was durch ihn hier auf´s Brett zaubert.
    Darunter das berühmte Lasker-Manöver, das als Endspielstudie des Weltmeisters Eingang ins praktische Schach gefunden hat. Mehr zu Typen von Schachkompositionen unter janko.at.

Emanuel Lasker (Deutscher Schachweltmeister)
aus: Deutsches Wochenschach 1890
Weiß zieht und gewinnt Wie so oft, schafft der Superspieler eine sehr partienahe Studie. 1.Kb7 Tb2+ 2.Ka7 Tc2 3.Th5+ Ka4 4.Kb6 Tb2+ 5.Ka6 Tc2 6.Th4+ Ka3 7.Kb6 Tb2+ 8.Ka5 Tc2 9.Th3+ Ka2(b2) 10.Txh2. Fesselung und Opfer zugleich. 10…Txh2 11.c8D mit elementarer Gewinnführung. Praktisch veranlagt!

Leonid Kubb 06.01.1921 – Weiß hält Remis Weiß scheint verloren, ohne ausreichendes Material zur Verteidigung. Aber bekanntlich gibt es auch versteckte Opfer, die nicht so ohne weiteres ausgeschlagen werden können. Ein unglaublicher, ja paradoxer Zug eröffnet den Kampf um das Remis: 1.Sd4!!. Noch eine Figur wird dem Gegner zum Fraß vorgeworfen.
1 …Dxd4. Auf 1 …Dd8 folgt 2.Ta3+ Kb7 3.Tb3+ Kc8 4.Tb8+! Kxb8 5.Sc6+ und Remis.
Geht der schwarze König bei seinem Fluchtversuch auf c5 oder c7, kann Weiß mit Se6+ sogar noch gewinnen. 1…Lxd4 wird ebenfalls mit 2.Ta3+ Kb7 und Tb3 und Remis beantwortet. 2.Ta3+ Kb5 3.Tb3+ Kc4 4.Tc3+ Kd5 5.Td3!!. Schwarz muss wie paralysiert zusehen, wie nach 5…Dxd3 dem weißen König das Pattloch auf b2 bleibt. Kunstvoll!

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Schachkalender – 03.01.

3. Januar  MATERIELLE WERTE
KALENDER:
Johann Baptist Allgaier +1823 • Alfred Brinckmann *1891-1967, dt. IM u. Autor

Bauerneinheiten
Seitdem Schach gespielt wird, vergleicht man die relative Wertigkeit der Figuren: Bereits im 9. Jahrhundert hat der damalige Meister as-Suli eine erste Skala entworfen. Staunton, von Bilguer, Steinitz, Bronstein und auf wissenschaftlicher Basis Kaufmann bieten leicht modifi­zierte Einschätzungen – alle basierend auf Bauerneinheiten. Dabei wurden vom IM Larry Kaufmann computerunterstützte Studien auf der Grundlage von mehr als 300 000 Partien durchgeführt, wobei Meisterniveau (über 2300 Elopunkte) Voraussetzung war.
Die Einschätzung von Experten vor und im Computerzeitalter Figuren in Bauerneinheiten:

Spieler-ProfiSpringerLäuferTurmDame
Staunton2,753,255,009,00
von Bilguer3,253,505,009,25
Steinitz3,053,505,489,94
Bronstein3,004,005,009,00
Kaufmann (PC)3,253,505,009,75

Zusätzliche Erkenntnisse der Kaufmann-Studie:
Der Turmbauer ist um 15 Prozent weniger wert als die übrigen Bauern. Doppelbauern vermindern ihren Wert um 1/8. Allerdings wird dies durch Vorhan­densein aller Türme relativiert. In diesem Fall ist der Wertverfall nur 1/16.
Isolierte Doppelbauern (Isolanies) sind kaum mehr wert als einzelne. In geschlossenen Stellungen, mit mehr Bauern auf dem Brett, wird der Schaden halbiert.

Ein Läufer und ein Springer sind annähernd gleichwertig. Der Bonus für das Läuferpaar dagegen beträgt 1/2 Bauerneinheit, wenn weniger als die Hälfte der Bauern auf dem Brett sind.

Im Endspiel gegen Türme und Bauern sind Läufer im Vergleich zu Springern leicht im Vorteil. Bei weiteren Figuren auf dem Brett ist der Springer dann zu bevorzugen, wenn sechs oder mehr Bauern vorhanden sind.

Die Qualität (Turm gegen Läufer oder Springer) hat einen mittleren Wert von 1 3/8 Bauerneinheiten. Hat der Gegner noch das Läuferpaar, wird dieser Wert auf 1 3/20 reduziert.

Der Turm ist gegen Springer und zwei Bauern materiell ca. 1/4 Bauerneinheit im Nachteil. Für jeden Bauern über fünf nimmt der Wert des Springers um 1/16 zu, der des Turms um 1/8 ab.

Bei Turm gegen zwei Leichtfiguren muss die Turmseite 1/2 Bauerneinheit mehr haben, um im Gleichgewicht zu sein.

Die Dame entspricht Turm, Leichtfigur und 1½ Bauerneinheiten. Die Dame zusammen mit einem Bauern ist ungefähr gleich stark wie zwei Türme, wenn die Leichtfiguren bereits vom Brett sind. Andernfalls benötigt die Dame keinen Bauern, um die Balance herzustellen.

Die Dame und X Bauerneinheit entspricht ca. drei Leichtfiguren.
Der Anzugsvorteil in Meisterklassen beträgt ca. 40 Elopunkte. Der Wert eines Mehrbauern ohne irgendwelche Kompensation macht ungefähr 200 Elopunkte aus.

Quelle – pdf:

Schachkalender_03.01._proSchach.de
Schachtageskalender 03.01. Schach Tagesereignis, Schachgeschichte, Schachkalender, Schachtageskalender

Schachkalender – 02.01.

2. Januar ARABISCHE und PERSISCHE LEGENDEN
KALENDER:
Arnold Sheldon Denker †2005 Weizenkornlegende – Schachlegende
Diese Legende stammt aus dem Buch „Die goldenen Wiesen und Edelsteingruben“ des in Bagdad geborenen Historikers, Philosophen und Geografen Abu al-Hasan Ali ibn al-Husayn al- Mas’üdi (†956 Fustat, Ägypten).

Ein indischer König brachte durch Hochmut und Tyrannei das Volk gegen sich auf. Da erschien der Brahmane Sissa, der das Schachspiel erfand, um dem König vor Augen zuführen, dass nur das Gemeinsame dem Wohl des Landes dient und der Herrscher ohne den Beistand der Untertanen schutzlos dem Feind ausgeliefert ist.
Der König stellte dem Brahmanen einen Wunsch frei und war fast erzürnt, als sich der heilige Mann ein Weizenkorn auf dem ersten Feld des Brettes, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten und so fort wünschte. Er wollte nur die Gesamtzahl der Körner als Lohn bekommen. Nun, der König durfte den Wunsch nicht abschlagen und wies seinen Verwalter an, sofort den nötigen Weizen aus der Kornkammer holen zu lassen. Seine Erzürnung über die große Bescheidenheit des Brahmanen wich Erstaunen und dann Entsetzen, da der König bald einsah, dass alles Korn aller Ernten seines Lebens nicht ausreichen würde, um den Wunsch des weisen Mannes zu erfüllen. Verlangt war die astronomische Zahl von mathematisch 2 hoch 64 – 1 = 18.446.744.073.709 551.615 Körnern Weizen,
das sind 18,5 Trillionen, eine Zahl, die unserer Vorstellungskraft sprengt.

Die Weisheit des Perserkönigs Abü I-Qâsem-e Ferdousí (* 940 oder 941 in Bäz, (heute Maschhad); †1020 in Tüs) war der Hauptautor des monumentalen iranischen Nationalepos Schahnâme, das in mehr als 50.000 Versen den Glanz des Sassanidenreiches schildert. Der Perserkönig Khosrau I. (er regierte 533-579) wird von einer indischen Gesandtschaft
mit einem wunderbaren Schachbrett sowie einem Figurensatz beschenkt,
allerdings mit einer ungewöhnlichen Aufforderung: Gelinge es innerhalb acht Tagen, die Regeln dieses Kriegsspiels zu ergründen, sei die vollkommene Weisheit des per- sischen Hofs bewiesen. Der indische König sei in diesem Fall bereit, jeden Tribut zu zahlen. lm umgekehrten Fall müsse sich Persien dem indischen Herrscher unterwerfen. In der Tat gelingt es dem Wesir, zunächst die Figurenaufstellung zu finden, dann auch die Gangart der Truppen und zuletzt das exakte Abbild des Schlachtfeldes. Der Shah (König) steht im Zentrum, der Ratgeber daneben, dann folgen die Elefanten, die Reiter und schließlich ganz außen die Kampfwagen. Geschützt werden diese hohen Truppen durch eine Phalanx von Fußsoldaten. Entsetzt müssen die indischen Gesandten die unendliche Weisheit der persischen Magier anerkennen und sich König Khosrau unterwerfen.
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Schachkalender_02.01._proSchach.de
Schachtageskalender 02.01. Schach Tagesereignis, Schachgeschichte, Schachkalender, Schachtageskalender

Schachkalender – 01.01.

1. Januar CHATURANGA

KALENDER:
Lionel Kieseritzky *1806-1853 Iivländ. Meister / Klaus Junge *1924-1945, dt. Meister

Die Geburt des Schachs ist rätselhaft und wunderbar wie das Spiel selbst.
(Joachim Petzold)

Seit Jahrhunderten wird über die Entstehung des königlichen Spiels gerätseIt.
Und ganz konnten selbst auf Schach spezialisierte Historiker nicht in die Tiefen der Zeit eindringen. Aber eines scheint festzustehen: Indien war das Geburtsland des Schachs, und irgendwann in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts muss die erste Figurenbewegung stattgefunden haben. Ob diese Zeitangabe nur für das Zweischach gilt oder
auch für die im Diagramm gezeigte Vierschach-Würfelform, ist bei den spärlichen Quellen nicht sicher zu belegen. Der indische Würfel barg jedoch auch ein Element der Geschicklichkeit, ist also keinesfalls als reiner Glücksfaktor zu verstehen. Jedenfalls standen früher Elefanten neben den Königen, die entsprechend ihrer Schwerfälligkeit nur diagonal eine Figur überspringen konnten.

Warum nun sieht man Indien als Ursprungsland und nicht etwa China mit der dort üblichen Schachform Xiangqi? Nun, allein der Name Chaturanga (altind. Chatur=vier;anga-GIied) bietet einen interessanten Hinweis. Einerseits bedeutet dieses Wort im Sanskrit sowohl Heer als auch Schach, andererseits bestand das indische Heer der damaligen Zeit wie wir aus den Eroberungszügen Alexanders des Großen wissen – aus exakt vier Waffengattungen, die vollständig und in ihrer natürlichen Bewegung durch das Spiel symboIisiert werden: Fußtruppen (padati), Kampfwagen (rath), Reiterei (ashwa) und Kriegselefanten (haahti). Zumindest Letztere gab es im Reich der Mitte nicht – und „Lehnfiguren“ aus Indien scheinen aus politischer Räson unwahrscheinlich.

Zur Datierung des Spiels: Da später in Indien zwei weitere Heeresteile dazukamen,
passt auch die Entstehungszeit vollkommen ins geschichtliche Puzzle. Als historisch nicht haltbar gilt dagegen heute der Bezug des Begriffs „viergliedrig“ auf die Vierschach-Grund-stellung (siehe Abbildung), aus der sich dann das Shatrang (Zweischach) herausgebildet
haben soll. Dem König (raja) wurde demnach ein Wesir (mantri) an die Seite gestellt. Hundertprozentige Sicherheit zur Entstehung des königlichen Spiels kann es jedoch nicht geben, wie Joachim Petzold in seinem schönen Eingangszitat betont.

Quelle -pdf:

Schachkalender_01.01._proSchach.de
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