Schachkalender – 04.01.

  1. Januar MÖGLICH – UNMÖGLICH!
    KALENDER: Ioannis Nikolaidis *1971, griech. GM
    Leonid Kubbel kann mit seinen Studien fesseln wie selten Einer.
    Einer der besten Aufgabenkomponisten neben Philipp Stamma (18.Jh.), Julius Mendheim (19.Jh.), Johannes Kohtz und Carl Kockelkorn (mit Matt in n-Zügen), ARVES (Alexander Rueb Vereniging voor SchaakEindspelStudie) (20.Jh) war Leonid Kubbel. Wahnwitz was durch ihn hier auf´s Brett zaubert.
    Darunter das berühmte Lasker-Manöver, das als Endspielstudie des Weltmeisters Eingang ins praktische Schach gefunden hat. Mehr zu Typen von Schachkompositionen unter janko.at.

Emanuel Lasker (Deutscher Schachweltmeister)
aus: Deutsches Wochenschach 1890
Weiß zieht und gewinnt Wie so oft, schafft der Superspieler eine sehr partienahe Studie. 1.Kb7 Tb2+ 2.Ka7 Tc2 3.Th5+ Ka4 4.Kb6 Tb2+ 5.Ka6 Tc2 6.Th4+ Ka3 7.Kb6 Tb2+ 8.Ka5 Tc2 9.Th3+ Ka2(b2) 10.Txh2. Fesselung und Opfer zugleich. 10…Txh2 11.c8D mit elementarer Gewinnführung. Praktisch veranlagt!

Leonid Kubb 06.01.1921 – Weiß hält Remis Weiß scheint verloren, ohne ausreichendes Material zur Verteidigung. Aber bekanntlich gibt es auch versteckte Opfer, die nicht so ohne weiteres ausgeschlagen werden können. Ein unglaublicher, ja paradoxer Zug eröffnet den Kampf um das Remis: 1.Sd4!!. Noch eine Figur wird dem Gegner zum Fraß vorgeworfen.
1 …Dxd4. Auf 1 …Dd8 folgt 2.Ta3+ Kb7 3.Tb3+ Kc8 4.Tb8+! Kxb8 5.Sc6+ und Remis.
Geht der schwarze König bei seinem Fluchtversuch auf c5 oder c7, kann Weiß mit Se6+ sogar noch gewinnen. 1…Lxd4 wird ebenfalls mit 2.Ta3+ Kb7 und Tb3 und Remis beantwortet. 2.Ta3+ Kb5 3.Tb3+ Kc4 4.Tc3+ Kd5 5.Td3!!. Schwarz muss wie paralysiert zusehen, wie nach 5…Dxd3 dem weißen König das Pattloch auf b2 bleibt. Kunstvoll!

Quelle -pdf:

Schachkalender – 03.01.

3. Januar  MATERIELLE WERTE
KALENDER:
Johann Baptist Allgaier +1823 • Alfred Brinckmann *1891-1967, dt. IM u. Autor

Bauerneinheiten
Seitdem Schach gespielt wird, vergleicht man die relative Wertigkeit der Figuren: Bereits im 9. Jahrhundert hat der damalige Meister as-Suli eine erste Skala entworfen. Staunton, von Bilguer, Steinitz, Bronstein und auf wissenschaftlicher Basis Kaufmann bieten leicht modifi­zierte Einschätzungen – alle basierend auf Bauerneinheiten. Dabei wurden vom IM Larry Kaufmann computerunterstützte Studien auf der Grundlage von mehr als 300 000 Partien durchgeführt, wobei Meisterniveau (über 2300 Elopunkte) Voraussetzung war.
Die Einschätzung von Experten vor und im Computerzeitalter Figuren in Bauerneinheiten:

Spieler-ProfiSpringerLäuferTurmDame
Staunton2,753,255,009,00
von Bilguer3,253,505,009,25
Steinitz3,053,505,489,94
Bronstein3,004,005,009,00
Kaufmann (PC)3,253,505,009,75

Zusätzliche Erkenntnisse der Kaufmann-Studie:
Der Turmbauer ist um 15 Prozent weniger wert als die übrigen Bauern. Doppelbauern vermindern ihren Wert um 1/8. Allerdings wird dies durch Vorhan­densein aller Türme relativiert. In diesem Fall ist der Wertverfall nur 1/16.
Isolierte Doppelbauern (Isolanies) sind kaum mehr wert als einzelne. In geschlossenen Stellungen, mit mehr Bauern auf dem Brett, wird der Schaden halbiert.

Ein Läufer und ein Springer sind annähernd gleichwertig. Der Bonus für das Läuferpaar dagegen beträgt 1/2 Bauerneinheit, wenn weniger als die Hälfte der Bauern auf dem Brett sind.

Im Endspiel gegen Türme und Bauern sind Läufer im Vergleich zu Springern leicht im Vorteil. Bei weiteren Figuren auf dem Brett ist der Springer dann zu bevorzugen, wenn sechs oder mehr Bauern vorhanden sind.

Die Qualität (Turm gegen Läufer oder Springer) hat einen mittleren Wert von 1 3/8 Bauerneinheiten. Hat der Gegner noch das Läuferpaar, wird dieser Wert auf 1 3/20 reduziert.

Der Turm ist gegen Springer und zwei Bauern materiell ca. 1/4 Bauerneinheit im Nachteil. Für jeden Bauern über fünf nimmt der Wert des Springers um 1/16 zu, der des Turms um 1/8 ab.

Bei Turm gegen zwei Leichtfiguren muss die Turmseite 1/2 Bauerneinheit mehr haben, um im Gleichgewicht zu sein.

Die Dame entspricht Turm, Leichtfigur und 1½ Bauerneinheiten. Die Dame zusammen mit einem Bauern ist ungefähr gleich stark wie zwei Türme, wenn die Leichtfiguren bereits vom Brett sind. Andernfalls benötigt die Dame keinen Bauern, um die Balance herzustellen.

Die Dame und X Bauerneinheit entspricht ca. drei Leichtfiguren.
Der Anzugsvorteil in Meisterklassen beträgt ca. 40 Elopunkte. Der Wert eines Mehrbauern ohne irgendwelche Kompensation macht ungefähr 200 Elopunkte aus.

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Schachtageskalender 03.01. Schach Tagesereignis, Schachgeschichte, Schachkalender, Schachtageskalender

Schachkalender – 02.01.

2. Januar ARABISCHE und PERSISCHE LEGENDEN
KALENDER:
Arnold Sheldon Denker †2005 Weizenkornlegende – Schachlegende
Diese Legende stammt aus dem Buch „Die goldenen Wiesen und Edelsteingruben“ des in Bagdad geborenen Historikers, Philosophen und Geografen Abu al-Hasan Ali ibn al-Husayn al- Mas’üdi (†956 Fustat, Ägypten).

Ein indischer König brachte durch Hochmut und Tyrannei das Volk gegen sich auf. Da erschien der Brahmane Sissa, der das Schachspiel erfand, um dem König vor Augen zuführen, dass nur das Gemeinsame dem Wohl des Landes dient und der Herrscher ohne den Beistand der Untertanen schutzlos dem Feind ausgeliefert ist.
Der König stellte dem Brahmanen einen Wunsch frei und war fast erzürnt, als sich der heilige Mann ein Weizenkorn auf dem ersten Feld des Brettes, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten und so fort wünschte. Er wollte nur die Gesamtzahl der Körner als Lohn bekommen. Nun, der König durfte den Wunsch nicht abschlagen und wies seinen Verwalter an, sofort den nötigen Weizen aus der Kornkammer holen zu lassen. Seine Erzürnung über die große Bescheidenheit des Brahmanen wich Erstaunen und dann Entsetzen, da der König bald einsah, dass alles Korn aller Ernten seines Lebens nicht ausreichen würde, um den Wunsch des weisen Mannes zu erfüllen. Verlangt war die astronomische Zahl von mathematisch 2 hoch 64 – 1 = 18.446.744.073.709 551.615 Körnern Weizen,
das sind 18,5 Trillionen, eine Zahl, die unserer Vorstellungskraft sprengt.

Die Weisheit des Perserkönigs Abü I-Qâsem-e Ferdousí (* 940 oder 941 in Bäz, (heute Maschhad); †1020 in Tüs) war der Hauptautor des monumentalen iranischen Nationalepos Schahnâme, das in mehr als 50.000 Versen den Glanz des Sassanidenreiches schildert. Der Perserkönig Khosrau I. (er regierte 533-579) wird von einer indischen Gesandtschaft
mit einem wunderbaren Schachbrett sowie einem Figurensatz beschenkt,
allerdings mit einer ungewöhnlichen Aufforderung: Gelinge es innerhalb acht Tagen, die Regeln dieses Kriegsspiels zu ergründen, sei die vollkommene Weisheit des per- sischen Hofs bewiesen. Der indische König sei in diesem Fall bereit, jeden Tribut zu zahlen. lm umgekehrten Fall müsse sich Persien dem indischen Herrscher unterwerfen. In der Tat gelingt es dem Wesir, zunächst die Figurenaufstellung zu finden, dann auch die Gangart der Truppen und zuletzt das exakte Abbild des Schlachtfeldes. Der Shah (König) steht im Zentrum, der Ratgeber daneben, dann folgen die Elefanten, die Reiter und schließlich ganz außen die Kampfwagen. Geschützt werden diese hohen Truppen durch eine Phalanx von Fußsoldaten. Entsetzt müssen die indischen Gesandten die unendliche Weisheit der persischen Magier anerkennen und sich König Khosrau unterwerfen.
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Schachkalender – 01.01.

1. Januar CHATURANGA

KALENDER:
Lionel Kieseritzky *1806-1853 Iivländ. Meister / Klaus Junge *1924-1945, dt. Meister

Die Geburt des Schachs ist rätselhaft und wunderbar wie das Spiel selbst.
(Joachim Petzold)

Seit Jahrhunderten wird über die Entstehung des königlichen Spiels gerätseIt.
Und ganz konnten selbst auf Schach spezialisierte Historiker nicht in die Tiefen der Zeit eindringen. Aber eines scheint festzustehen: Indien war das Geburtsland des Schachs, und irgendwann in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts muss die erste Figurenbewegung stattgefunden haben. Ob diese Zeitangabe nur für das Zweischach gilt oder
auch für die im Diagramm gezeigte Vierschach-Würfelform, ist bei den spärlichen Quellen nicht sicher zu belegen. Der indische Würfel barg jedoch auch ein Element der Geschicklichkeit, ist also keinesfalls als reiner Glücksfaktor zu verstehen. Jedenfalls standen früher Elefanten neben den Königen, die entsprechend ihrer Schwerfälligkeit nur diagonal eine Figur überspringen konnten.

Warum nun sieht man Indien als Ursprungsland und nicht etwa China mit der dort üblichen Schachform Xiangqi? Nun, allein der Name Chaturanga (altind. Chatur=vier;anga-GIied) bietet einen interessanten Hinweis. Einerseits bedeutet dieses Wort im Sanskrit sowohl Heer als auch Schach, andererseits bestand das indische Heer der damaligen Zeit wie wir aus den Eroberungszügen Alexanders des Großen wissen – aus exakt vier Waffengattungen, die vollständig und in ihrer natürlichen Bewegung durch das Spiel symboIisiert werden: Fußtruppen (padati), Kampfwagen (rath), Reiterei (ashwa) und Kriegselefanten (haahti). Zumindest Letztere gab es im Reich der Mitte nicht – und „Lehnfiguren“ aus Indien scheinen aus politischer Räson unwahrscheinlich.

Zur Datierung des Spiels: Da später in Indien zwei weitere Heeresteile dazukamen,
passt auch die Entstehungszeit vollkommen ins geschichtliche Puzzle. Als historisch nicht haltbar gilt dagegen heute der Bezug des Begriffs „viergliedrig“ auf die Vierschach-Grund-stellung (siehe Abbildung), aus der sich dann das Shatrang (Zweischach) herausgebildet
haben soll. Dem König (raja) wurde demnach ein Wesir (mantri) an die Seite gestellt. Hundertprozentige Sicherheit zur Entstehung des königlichen Spiels kann es jedoch nicht geben, wie Joachim Petzold in seinem schönen Eingangszitat betont.

Quelle -pdf:

Schachkalender_01.01._proSchach.de
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