Schachkalender – 30.01.

30.Januar BIOGRAFIE: BORIS SPASSKI

KALENDER: Sam Loyd *1841-1911, am. Rätselkönig • Boris Wassiljewitsch Spasski *1937, russ.-frz.
WM• Alexej Drejew *1969, russ. GM

Der Bär mit der russischen Seele = Boris Spasski

Der am 30. Januar 1937 in Leningrad geborene Boris
Wassiljewitsch Spasski sollte erst nach seiner Niederlage
1972 gegen den Amerikaner Bobby Fischer weltweite
Popularität erlangen. Nicht auf Grund seines exzellenten
Schachs, wohlgemerkt, sondern vielmehr wegen der
höflichen, umgänglichen, kultivierten und weltgewandten
Art und Weise, wie er mit den Launen und exzentrischen
Eskapaden des Amerikaners umging. In der Niederlage
bewies Spasski Größe, und er blieb auch nach
Fischers selbstgewählter Entsagung vom Schach einer
der wenigen, die Kontakt zu dem Amerikaner hatten.
Früh besuchte Spasski den Schachzirkel im Leningrader
Pionierpalast, früh jedoch war auch Spasskis Achillesferse
spürbar: seine geringe Zielstrebigkeit, sein Minimum
an Arbeitseinsatz, seine psychologischen Probleme. 1958 nach einer Niederlage bei
einer Entscheidungspartie gegen Tal »lief ich auf die Straße und schluchzte wie ein
Kind . … Tief innerlich fehlt mir der Glaube an mich selbst«, so Spasski. Die Scheidung
der Eltern, die jüdische Mutter, das Wunderkind-Phänomen – überall gab es Parallelen
zu seinem letzten großen Gegner Bobby Fischer.
Spasski war stets unstet. Er führte mehrere Ehen, er trennte sich von seinen Trainern,
und wurde nie Mitglied der kommunistischen Partei. Politisch wurde er seit 1972 als
unzuverlässig eingestuft und bekam wegen Trainingsmangels sogar ein mehrjähriges
Auslandsspielverbot. Und dennoch ging es seit 1961steil aufwärts: Sieg bei der
UdSSR-Meisterschaft 1961, Sieg beim Zonenturnier 1964, geteilter Sieg beim Interzonenturnier
1964, glorreiche Siege bei den Kandidatenwettkämpfen. Der Weg zum
Kampf um die Schachkrone war frei. Doch hier stand der ungemein zähe, ausdauemde,
jede Gefahr witternde Tigran Petrosjan. Drei weitere Jahre des Wartens
folgten. Erst 1969 war Spasski am Ziel … und doch war es nur ein Anfang.
Das „Match des Jahrhunderts“ sollte 1972 in Reykjavik folgen.
Wir alle wissen, wie dieses Psychodrama ausging. Im »Kampf der Systeme«, zu dem
die Begegnung Spasski – Fischer hochstilisiert wurde, musste der sensiblere Spieler
unterliegen. Und der hieß eindeutig Boris Spasski. Dennoch gewann der Leningrader
gerade in diesem Match die Herzen der Schachwelt. Was machte Spasski
so stark, muss man heute fragen? Dazu die Stimme von Svetozar Gligoric: »Spasski
hat die kolossale Fähigkeit, sich auf die unterschiedliche Spielweise jedes Gegners einzustellen.«

Vielleicht ein Grund, warum uns Deutschen die russische Seele so nah ist,
denn wer kennt es nicht das Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot
mit dem Bären und dessen Sanftmut.

Quelle – pdf:

Schachkalender 30.01. proSchach.de
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