Schachkalender – 06.02.

  1. Februar ZWEIZÜGER MIT RAFFINESSE

    KALENDER: Jackson Whipps Showalter †1935 ~ Alexander Tschernin *1960, ung.-russ. GM

    Effekte durch besondere Bewegungsläufe von Figuren oder kurios anmutende Verteilungen an bestimmten Brettabschnitten hinterlassen immer einen nachhaltigen Eindruck beim Be- trachten von Mattbildern. Folgende Probleme von Charles F. Stubbs und Hilmar Ebert sind elegante Beispiele.

    Charles F. Stubbs 1891
    ▪ Matt in 2 Der weiße Läufer darf den Weg über die lange Diagonale nicht scheuen:
    1.Lh1 d2 2.Txd2#.
    Schwarz kann sich beliebig aus der Klammer zu befreien versuchen, doch ist er immer zum Scheitern verurteilt:
    1…c3 Dxc3#;
    1…e5Dxa7#;
    1…Sd6 Dxd6 #;
    1…g3 Th4#;
    Alle Wege sind verschlossen und führen nicht mehr nach Rom.
    Steht dagegen der kraftvolle und stolze Läufer in der Ausgangsposition auf h1,
    macht er die Reise auf a8, mit gleich vernichtender Wirkung. So sehen effektive Zwischenzüge aus!

    Hillmar Ebert 1975
    ▪ Matt in2 , Der randorientierte Schlüsselzug lässt den schwarzen Monarchen
    mutterseelenallein im Universum des Schachbretts zurück.
    ▪ 1.Sc8!. Was immer der König versucht, das Matt folgt in gnadenloser Art und Weise:
    1…Kc6 2.Dd6#; 1…Ke6 2.Dd6#; 1…Kc4 2.Sb6# und 1 …Ke4 2.Df3#.
    Alle anderen ersten Züge erweisen sich als zu schwach –
    der Springer muss seine Kollegen vom Rand des Brettes aus unterstützen.
    Effektive Fernumzingelung!

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Schachkalender – 05.02.

  1. Februar ZUGWACHSTUM

    KALENDER: George(s) Koltanowski †2000

    Wer sich bisweilen für unorthodoxes Schach begeistern kann, dem seien untenstehende Varianten ans Herz gelegt.
    -› 27. Jan.; 4. Mai; 14. Aug.; 12. Dez.

    Progressive-Chess
    (Ursprung unsicher, England/Schottland ca.1935) Grundidee:
    Die Zahl der Züge wächst ständig an – Spielregeln:
    (1) Weiß 1 Zug, Schwarz 2 Züge usw.
    (2) Könige dürfen keinen Schachs ausgesetzt werden.
    (3) Ein Zug endet sofort, wenn Schach gegeben wird.
    (4) Der König muss im ersten Zug aus dem Schach, sonst ist er matt.
    (5) Hat ein Spieler keinen Zug zur Verfügung, ist die Partie remis (patt).
    (6) Nur im ersten Zug darf en passant geschlagen werden, und zwar jeder Bauer, der in der letzten Zugfolge des Gegners um zwei Schritte bewegt wurde.
    Variante 1 (Roberto Salvadori 1971):
    Wer vor dem letzten regulären Zug seiner Folge Schach gibt, verliert unmittelbar. Wird während fünf Zügen keine Figur geschlagen und kein Bauer bewegt, ist die Partie remis.
    Variante 2: Keine Figur darf in einem Zug zweimal ziehen, solange nicht mindestens jede Figur einmal dran war. Die Rochade zählt als ein Zug, bei dem allerdings beide Figuren bewegt wurden. Ein umgewandelter Bauer darf nicht nochmals als Figur bewegt werden. Die Partie endet remis, wenn ein Spieler nicht alle seine Züge ausführen kann.
    KURZKOMMENTAR: Die Partien gehen nur über wenige Züge, mit trickreichen Mattkombinationen.

    Quest (Donald Benge 1975) Grundidee: Höchstens 10 Züge auf einmal sind möglich – Spielregeln:
    (1) Weiß beginnt mit höchstens 5 Zügen.
    (2) Ein Spieler darf frühestens nach dem ersten Zug passen.
    (3) Keine Figur darf mehr als einmal gezogen werden.
    (4) Die Rochade gilt als Königszug, das heißt, der Turm ist als Zugfigur verfügbar.
    (5) Ein umgewandelter Bauer darf als Figur nochmals im gleichen Zug ziehen.
    (6) Wird eine Figur geschlagen, darf der Gegner sofort – während des Zuges – zurückschlagen; wurde im letzten Zug geschlagen, gilt das Rücknehmen als erster Zug des anderen Spielers.
    (7) Möchte ein Spieler nach einem Schlagen passen, muss er dies vor dem Zug ankündigen.
    (8) Eine schlagende Figur darf, falls sie auf dem Brett bleibt, nochmals ziehen.
    (9) Ein Bauer darf während des Zuges en passant geschlagen werden, es sei denn, der erste Spie- ler passt.
    (10) Ein König muss sofort aus dem Schach gezogen werden; die Schach gebende Figur darf nochmals im Zug verwendet werden; bei einem Abzugsschach darf die abziehende Figur nochmals gezogen werden.
    (11) Wird der König des am Zug befindlichen Spielers durch die Bewegung des feindlichen Königs ins Schach gestellt, muss er sofort geschützt werden; dies gilt als Zug (dabei darf auch eine bereits gezogene Figur bewegt werden).
    KURZKOMMENTAR: Die Partien bekommen geradezu Problemcharakter.

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Schachkalender – 04.02.

  1. Februar SCHREIBENDE SCHACHMEISTER

    KALENDER: Jackson Whipps Showalter *1860-1935, am. Meister – Steinitz verteidigt 1889 gegen Tschigorin den WM-Titel -E Savielly Xavier Tartakower †1956

    Georg Marco – Groß-, Dick- und Breitmeister
    Trotz beachtlicher Schachstärke im Turnierschach ist der am 29. November 1863 in Czernowitz geborene Georg Marco,
    heute vor allem als Chefredakteur der renommierten Wiener Schachzeitung wie als Autor zahlreicher Turnierbücher bekannt.
    (Wien 1903 und 1908, Barmen 1905, Karlsbad 1907, Baden 1914, Wettkampf Lasker- Tarrasch 1908).
    Mit diesen Werken wurde der Wiener zum Lehrmeister einer neu heranwachsenden Generation.
    Beim Schreiben war Marco ohne Zweifel einsame Weltklasse, und durch ihn wurde die Wiener Schachzeitung zu einem der führenden Schachperiodika der Welt. Marco liebte ››die wuchtigen Worte, die grotesken Übertreibungen« (Armin Friedmann), ganz passend zu seiner enormen Leibesfülle, die ihm letztlich den Spitznamen „Groß-, Dick- und Breitmeister“ einbrachte.

    Kurt Richter – Scharfrichter von Berlin Kurt Richter war „nur“ Internationaler Meister (IM).
    Dennoch hat er für das Schach mehr getan als unzählige Großmeister seiner Generation. Als der am 24. November 1900 in Berlin geborene Deutsche 1929 arbeitslos wurde, entschloss er sich kurzerhand, nur mehr vom Schreiben über Schach zu leben. Er gründete Zeitschriften, verfasste Bücher (allesamt Bestseller) und schuf in der Zeitschrift Schach die Rubrik Schach lehrt Schach – Hohe Schule der Kombination. Bis heute ist dies ein Richtersches Er- folgsrezept. Sein kompromissloser Stil trug ihm den „anerkennenden“ Beinamen »Scharfrichter von Berlin« ein. Kurt Richters Bücher gehören zum Unterhaltsamsten, das man in der Schachliteratur finden kann. Seine Beiträge zur Eröffnungstheorie (Richter-Rauser-Variante) sind ebenfalls bemerkenswert.

    Savielly Xavier Tartakower – und seine Tartakowerismen Savielly Tartakowerwurde am 22. Februar 1887 in Rostow am Don geboren. Seinen österreichischen Vater und seine polnische Mutter verlor in früh bei einem Pogrom. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass er im Ersten Weltkrieg auf Seiten Österreich-Ungarns kämpfte. lm Zweiten Weltkrieg schloss er sich der Résistance an. Sechsmal vertrat er Polen bei Schacholympiaden und einmal, 1950, Frankreich.
    Stilistisch ist Tartakower der Hypermodernen Schachschule zuzurechnen
    (sein Hauptwerk: Die Hypermoderne Schachpartíe, 1924), doch in Erinnerung geblieben ist er den Schachfreunden vor allem wegen seiner Aphorismen.
    Eine kleine Auswahl:
    „Die Drohung ist stets stärker als die Ausführung“;
    »Es ist immer besser, die Steine seines Gegners zu opfern«;
    »Die Fehler sind da, um gemacht zu werden« oder
    »Der vorletzte Fehler gewinnt«.

    Tartakower erfand auch den Namen für die unorthodoxe Orang-Utan-Eröffnung (1.b4 c6 2.Lb2 a5).
    Video:

Anti-Orang-Utan: 1.b4 c6 2.Lb2 a5
3.a3
3.b5
3.bxa5 andere unregelmäßige Eröffnungen:

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Schachkalender – 03.02.

3. Februar ERSTICKUNGSTOD

KALENDER: Gabriel Sargissijan *1983, arm. GM

Seit Lucenas berühmter Aufgabe aus der Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit ist das erstickte Matt ein Sujet,
das immer wieder die Träume der Spieler belebt.
Allein die Erfüllung dieses Traums ist seltener als ein »Hole in one«, um einen Vergleich mit dem Golfsport zu zie- hen. Hier zwei Perlen der Spielkunst – das historische Modell und eine moderne Kreation von A. S. Seletzky.
Luis Ramirez de Lucena Repetición de amores e arte de axedrez 1497
▪ Weiß gewinnt
Wenn auch hinlänglich bekannt, ist es immer wieder schön, tief in die Schachgeschichte ein- zutauchen.
▪ 1.De6+ Kh8. Auf 1…Kf8 folgt sofort Matt. 2.Sf7+ Kg8 3.Sh6++ Kh8 4.Dg8+ Txg8 und
nun der show-down: 5.Sg7#. Das Original!

A. S. Seletzky Shakmaty v. SSSR 1933
▪ Weiß gewinnt
Diese Studie beginnt mit einem stillen Zug (Stiller Zug: Zug, der weder Schach bietet noch einen gegnerischen Stein schlägt.):
1.Dg5! und Drohung, den Bauern umzuwandeln.
1…Ke6+. Falls 1….Lxd7,dann 2.Sf4! Dd6 3.Lc4+ Ke8 4.Dg8+ Df8 5.Lf7+ Ke7 6.Sg6+ und Damenverlust.
2.Kg1! Kxd7. Falls 2…Lxd7, dann 3.Lg4+ Kf7 4.Se5+ Ke8 5.Lxd7#.
3.Sc5+ KC8 3…Kd6 4.Dg3+ Kd5 (4…Kxc5 5.Da3+ mit Damengewinn)
5.Lc4+ Kxc4 6.Db3+ Kxc5 7.Da3+ Kb6 8.Kxf8 mit theoretischem Gewinn für Weiß: Dame gegen Läufer und Springer.
4.La6+ Kb8 5.Dg3+! Ka8 6.Lb7!! Lxb7 7.Sd7! Damengewinn oder Matt, welch eine Alternative!
7…Dd8 8.Db8+! Dxb8 9.Sb6#.
Großartig in der Tiefe der Konzeption! – So verliebt man sich in Schach.

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Schachkalender – 02.02.

  1. Februar FOREVER TOP!

    KALENDER:
    Karel Treybal *1885-1941, tschech. Meister – E Svetozar Gligorió *1923, serb. GM – Alexander Rueb †1959 – Jakow Borissowitsch Estrin †1987 – Erich Eliskases †1997

    Ulf Andersson – Doppelter Großmeister
    Der am 27.Juni 1951 in Västerås (Schweden) geborene Ulf Andersson machte in seinem Leben mehrere steile Karrieren: 1972 Großmeister im Schach und seit den neunziger Jah- ren auch Großmeister im Fernschach, wo er mit der Marke 2806 Elo den höchsten je erspielten Wert erreichte. Anderssons große Erfolge liegen in den achtziger Jahren, wo er dreimal in Serie Hastings gewann und an Brett 1 im Match UdSSR gegen den Rest der Welt antrat. 1996 stellte Andersson mit 310 Partien in 15 Stunden und 23 Mi- nuten einen Rekord im Simultanschach auf.

    Svetozar Gligoric – Jugoslawisches Denkmal
    ln Serbien ist Svetozar Gligoric im wahrsten Sinne des Wortes eine Legende. Elfmal gewann er die jugoslawische Meisterschaft, mehrfach stand er in Kandidatenmatches, und durch sein enormes Charisma, gepaart mit Fairness, ist Gligorió überall gerngesehener Gast, in der Heimat verehrt und heiß geliebt. Der am 2. Februar 1923 in Belgrad (heute Serbien) geborene Sportler verlor bereits früh seinen Vater und war bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bereits Vollwaise. Für einige Jahre tauschte er das Schachbrett mit der Waffe und schloss sich den Partisanentruppen Titos an. Unmittelbar nach dem Krieg begann Gligorióc kometenhafter Aufstieg. Er gewann Turnier um Turnier scheinbar mühelos und erwarb schließlich 1951 als einer der ersten jungen Spieler den Titel eines Großmeisters. Für seine Verdienste um das jugoslawische Schach erhielt Gligoric einen lebenslangen Freiplatz für alle nationalen Meister- schaften. 1959 wurde Svetozar Gligoric sogar zum Sportler des Jahres gewählt.

    Lajos Portisch – Ungarns Legende (nach Fußball nun Schach Ungarns Sternstunden vor Fam. Polgar) Lajos Portisch erhielt in Ungarn die höchst mögliche sportliche Auszeichnung: Er wurde 2004 Sportler der Nation. Der am 4. April 1937 in Zalaegerszeg geborene Portisch war zweifellos der beste ungarische Spieler des 20. Jahrhunderts. Neunmal gewann erzwischen 1958 und 1981 die ungarische Meisterschaft, und siebenmal qualifizierte er sich für ein Kan- didatenturnier. Dazu kommen seine Rekorde bei Olympia- den: die meisten Teilnahmen (20), die höchste Zahl an Partien (260) und Punkten (176,5), 1978 mit Ungarn Sieger gegen das damals “unschlagbare” sowjetische Team. Seit 1961 ist Lajos Portisch Großmeister, der auch danach mit immensem Arbeitseinsatz
    (nach eigenen Aussagen bis zu acht Stunden täglich) sein Schach verfeinerte; Portisch wurde zur Legende!
    Ähnlich wie Christiano Ronaldo (Fußball CR7) trainierte er länger und härter als andere.

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Schachkalender – Februar

FEBRUAR
“Mit Logik kommt man von A nach B. Mit Kreativität kommt man überall hin.”
Albert Einstein

FEBRUAR
Mit Logik kommt man von A nach B. Mit Kreativität kommt man überall hin.
Albert Einstein

Historische Spekulationen – Geschichte (de Castelivi – Viñoles)
Forever Top! – Porträts (Andersson, Gligoric, Portisch)
Erstickungstod – Studien (Lucena /Seletzky)
Schreibende Schachmeister – Porträts (Marco, Richter, Tartakower)
Zugwachstum – Varianten
Zweizüger mit Raffinesse – Probleme (Stubbs/Ebert)
Sowjetische Schachgiganten II – Boleslawski, Kotow, Taimanow
Schach einmal anders – Kunstschach (Fabel/Assiac)
Erster Computertriumph – Partie (Deep Blue – Kasparow)
Eine Schwalbe – Problem (Kohtz u. Kockelkorn)
Treppenwitz – Studien (Grzeban/Mesman)
Literatur 1 – Quiz
Kubbels Logik – Probleme (Kubbel)
Das große Dutzend – Liste
Superturniere 1851-1938 – Ehrentafel
Frauenschach – Thema/Liste
Königliche Schritte – Studien (Selesniew/A.u.K. Sarychew)
Bronsteins Magie – Kombinationen
David Bronstein – Biografie
Siebenmeilenstiefel – Probleme (Meier/Kubbel)
Durchbruch – Probleme (Latze/Non Reek)
Der vorletzte Fehler gewinnt – Zitate
Tartakowerismen & Co. – Quiz
Weltmeister im Vergleich – Statistik
Vollendete Studien – Empfehlung
Turniersysteme – Thema
Großmeister 1– Quiz
zauberhafte Problemkunst I – Empfehlung
zauberhafte Problemkunst II – Empfehlung

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Schachkalender – 04.01.

  1. Januar MÖGLICH – UNMÖGLICH!
    KALENDER: Ioannis Nikolaidis *1971, griech. GM
    Leonid Kubbel kann mit seinen Studien fesseln wie selten Einer.
    Einer der besten Aufgabenkomponisten neben Philipp Stamma (18.Jh.), Julius Mendheim (19.Jh.), Johannes Kohtz und Carl Kockelkorn (mit Matt in n-Zügen), ARVES (Alexander Rueb Vereniging voor SchaakEindspelStudie) (20.Jh) war Leonid Kubbel. Wahnwitz was durch ihn hier auf´s Brett zaubert.
    Darunter das berühmte Lasker-Manöver, das als Endspielstudie des Weltmeisters Eingang ins praktische Schach gefunden hat. Mehr zu Typen von Schachkompositionen unter janko.at.

Emanuel Lasker (Deutscher Schachweltmeister)
aus: Deutsches Wochenschach 1890
Weiß zieht und gewinnt Wie so oft, schafft der Superspieler eine sehr partienahe Studie. 1.Kb7 Tb2+ 2.Ka7 Tc2 3.Th5+ Ka4 4.Kb6 Tb2+ 5.Ka6 Tc2 6.Th4+ Ka3 7.Kb6 Tb2+ 8.Ka5 Tc2 9.Th3+ Ka2(b2) 10.Txh2. Fesselung und Opfer zugleich. 10…Txh2 11.c8D mit elementarer Gewinnführung. Praktisch veranlagt!

Leonid Kubb 06.01.1921 – Weiß hält Remis Weiß scheint verloren, ohne ausreichendes Material zur Verteidigung. Aber bekanntlich gibt es auch versteckte Opfer, die nicht so ohne weiteres ausgeschlagen werden können. Ein unglaublicher, ja paradoxer Zug eröffnet den Kampf um das Remis: 1.Sd4!!. Noch eine Figur wird dem Gegner zum Fraß vorgeworfen.
1 …Dxd4. Auf 1 …Dd8 folgt 2.Ta3+ Kb7 3.Tb3+ Kc8 4.Tb8+! Kxb8 5.Sc6+ und Remis.
Geht der schwarze König bei seinem Fluchtversuch auf c5 oder c7, kann Weiß mit Se6+ sogar noch gewinnen. 1…Lxd4 wird ebenfalls mit 2.Ta3+ Kb7 und Tb3 und Remis beantwortet. 2.Ta3+ Kb5 3.Tb3+ Kc4 4.Tc3+ Kd5 5.Td3!!. Schwarz muss wie paralysiert zusehen, wie nach 5…Dxd3 dem weißen König das Pattloch auf b2 bleibt. Kunstvoll!

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Schachkalender – 03.01.

3. Januar  MATERIELLE WERTE
KALENDER:
Johann Baptist Allgaier +1823 • Alfred Brinckmann *1891-1967, dt. IM u. Autor

Bauerneinheiten
Seitdem Schach gespielt wird, vergleicht man die relative Wertigkeit der Figuren: Bereits im 9. Jahrhundert hat der damalige Meister as-Suli eine erste Skala entworfen. Staunton, von Bilguer, Steinitz, Bronstein und auf wissenschaftlicher Basis Kaufmann bieten leicht modifi­zierte Einschätzungen – alle basierend auf Bauerneinheiten. Dabei wurden vom IM Larry Kaufmann computerunterstützte Studien auf der Grundlage von mehr als 300 000 Partien durchgeführt, wobei Meisterniveau (über 2300 Elopunkte) Voraussetzung war.
Die Einschätzung von Experten vor und im Computerzeitalter Figuren in Bauerneinheiten:

Spieler-ProfiSpringerLäuferTurmDame
Staunton2,753,255,009,00
von Bilguer3,253,505,009,25
Steinitz3,053,505,489,94
Bronstein3,004,005,009,00
Kaufmann (PC)3,253,505,009,75

Zusätzliche Erkenntnisse der Kaufmann-Studie:
Der Turmbauer ist um 15 Prozent weniger wert als die übrigen Bauern. Doppelbauern vermindern ihren Wert um 1/8. Allerdings wird dies durch Vorhan­densein aller Türme relativiert. In diesem Fall ist der Wertverfall nur 1/16.
Isolierte Doppelbauern (Isolanies) sind kaum mehr wert als einzelne. In geschlossenen Stellungen, mit mehr Bauern auf dem Brett, wird der Schaden halbiert.

Ein Läufer und ein Springer sind annähernd gleichwertig. Der Bonus für das Läuferpaar dagegen beträgt 1/2 Bauerneinheit, wenn weniger als die Hälfte der Bauern auf dem Brett sind.

Im Endspiel gegen Türme und Bauern sind Läufer im Vergleich zu Springern leicht im Vorteil. Bei weiteren Figuren auf dem Brett ist der Springer dann zu bevorzugen, wenn sechs oder mehr Bauern vorhanden sind.

Die Qualität (Turm gegen Läufer oder Springer) hat einen mittleren Wert von 1 3/8 Bauerneinheiten. Hat der Gegner noch das Läuferpaar, wird dieser Wert auf 1 3/20 reduziert.

Der Turm ist gegen Springer und zwei Bauern materiell ca. 1/4 Bauerneinheit im Nachteil. Für jeden Bauern über fünf nimmt der Wert des Springers um 1/16 zu, der des Turms um 1/8 ab.

Bei Turm gegen zwei Leichtfiguren muss die Turmseite 1/2 Bauerneinheit mehr haben, um im Gleichgewicht zu sein.

Die Dame entspricht Turm, Leichtfigur und 1½ Bauerneinheiten. Die Dame zusammen mit einem Bauern ist ungefähr gleich stark wie zwei Türme, wenn die Leichtfiguren bereits vom Brett sind. Andernfalls benötigt die Dame keinen Bauern, um die Balance herzustellen.

Die Dame und X Bauerneinheit entspricht ca. drei Leichtfiguren.
Der Anzugsvorteil in Meisterklassen beträgt ca. 40 Elopunkte. Der Wert eines Mehrbauern ohne irgendwelche Kompensation macht ungefähr 200 Elopunkte aus.

Quelle – pdf:

Schachkalender_03.01._proSchach.de
Schachtageskalender 03.01. Schach Tagesereignis, Schachgeschichte, Schachkalender, Schachtageskalender

Schachkalender – 02.01.

2. Januar ARABISCHE und PERSISCHE LEGENDEN
KALENDER:
Arnold Sheldon Denker †2005 Weizenkornlegende – Schachlegende
Diese Legende stammt aus dem Buch „Die goldenen Wiesen und Edelsteingruben“ des in Bagdad geborenen Historikers, Philosophen und Geografen Abu al-Hasan Ali ibn al-Husayn al- Mas’üdi (†956 Fustat, Ägypten).

Ein indischer König brachte durch Hochmut und Tyrannei das Volk gegen sich auf. Da erschien der Brahmane Sissa, der das Schachspiel erfand, um dem König vor Augen zuführen, dass nur das Gemeinsame dem Wohl des Landes dient und der Herrscher ohne den Beistand der Untertanen schutzlos dem Feind ausgeliefert ist.
Der König stellte dem Brahmanen einen Wunsch frei und war fast erzürnt, als sich der heilige Mann ein Weizenkorn auf dem ersten Feld des Brettes, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten und so fort wünschte. Er wollte nur die Gesamtzahl der Körner als Lohn bekommen. Nun, der König durfte den Wunsch nicht abschlagen und wies seinen Verwalter an, sofort den nötigen Weizen aus der Kornkammer holen zu lassen. Seine Erzürnung über die große Bescheidenheit des Brahmanen wich Erstaunen und dann Entsetzen, da der König bald einsah, dass alles Korn aller Ernten seines Lebens nicht ausreichen würde, um den Wunsch des weisen Mannes zu erfüllen. Verlangt war die astronomische Zahl von mathematisch 2 hoch 64 – 1 = 18.446.744.073.709 551.615 Körnern Weizen,
das sind 18,5 Trillionen, eine Zahl, die unserer Vorstellungskraft sprengt.

Die Weisheit des Perserkönigs Abü I-Qâsem-e Ferdousí (* 940 oder 941 in Bäz, (heute Maschhad); †1020 in Tüs) war der Hauptautor des monumentalen iranischen Nationalepos Schahnâme, das in mehr als 50.000 Versen den Glanz des Sassanidenreiches schildert. Der Perserkönig Khosrau I. (er regierte 533-579) wird von einer indischen Gesandtschaft
mit einem wunderbaren Schachbrett sowie einem Figurensatz beschenkt,
allerdings mit einer ungewöhnlichen Aufforderung: Gelinge es innerhalb acht Tagen, die Regeln dieses Kriegsspiels zu ergründen, sei die vollkommene Weisheit des per- sischen Hofs bewiesen. Der indische König sei in diesem Fall bereit, jeden Tribut zu zahlen. lm umgekehrten Fall müsse sich Persien dem indischen Herrscher unterwerfen. In der Tat gelingt es dem Wesir, zunächst die Figurenaufstellung zu finden, dann auch die Gangart der Truppen und zuletzt das exakte Abbild des Schlachtfeldes. Der Shah (König) steht im Zentrum, der Ratgeber daneben, dann folgen die Elefanten, die Reiter und schließlich ganz außen die Kampfwagen. Geschützt werden diese hohen Truppen durch eine Phalanx von Fußsoldaten. Entsetzt müssen die indischen Gesandten die unendliche Weisheit der persischen Magier anerkennen und sich König Khosrau unterwerfen.
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Schachkalender – 01.01.

1. Januar CHATURANGA

KALENDER:
Lionel Kieseritzky *1806-1853 Iivländ. Meister / Klaus Junge *1924-1945, dt. Meister

Die Geburt des Schachs ist rätselhaft und wunderbar wie das Spiel selbst.
(Joachim Petzold)

Seit Jahrhunderten wird über die Entstehung des königlichen Spiels gerätseIt.
Und ganz konnten selbst auf Schach spezialisierte Historiker nicht in die Tiefen der Zeit eindringen. Aber eines scheint festzustehen: Indien war das Geburtsland des Schachs, und irgendwann in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts muss die erste Figurenbewegung stattgefunden haben. Ob diese Zeitangabe nur für das Zweischach gilt oder
auch für die im Diagramm gezeigte Vierschach-Würfelform, ist bei den spärlichen Quellen nicht sicher zu belegen. Der indische Würfel barg jedoch auch ein Element der Geschicklichkeit, ist also keinesfalls als reiner Glücksfaktor zu verstehen. Jedenfalls standen früher Elefanten neben den Königen, die entsprechend ihrer Schwerfälligkeit nur diagonal eine Figur überspringen konnten.

Warum nun sieht man Indien als Ursprungsland und nicht etwa China mit der dort üblichen Schachform Xiangqi? Nun, allein der Name Chaturanga (altind. Chatur=vier;anga-GIied) bietet einen interessanten Hinweis. Einerseits bedeutet dieses Wort im Sanskrit sowohl Heer als auch Schach, andererseits bestand das indische Heer der damaligen Zeit wie wir aus den Eroberungszügen Alexanders des Großen wissen – aus exakt vier Waffengattungen, die vollständig und in ihrer natürlichen Bewegung durch das Spiel symboIisiert werden: Fußtruppen (padati), Kampfwagen (rath), Reiterei (ashwa) und Kriegselefanten (haahti). Zumindest Letztere gab es im Reich der Mitte nicht – und „Lehnfiguren“ aus Indien scheinen aus politischer Räson unwahrscheinlich.

Zur Datierung des Spiels: Da später in Indien zwei weitere Heeresteile dazukamen,
passt auch die Entstehungszeit vollkommen ins geschichtliche Puzzle. Als historisch nicht haltbar gilt dagegen heute der Bezug des Begriffs „viergliedrig“ auf die Vierschach-Grund-stellung (siehe Abbildung), aus der sich dann das Shatrang (Zweischach) herausgebildet
haben soll. Dem König (raja) wurde demnach ein Wesir (mantri) an die Seite gestellt. Hundertprozentige Sicherheit zur Entstehung des königlichen Spiels kann es jedoch nicht geben, wie Joachim Petzold in seinem schönen Eingangszitat betont.

Quelle -pdf:

Schachkalender_01.01._proSchach.de
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