Schachkalender – 31.01.

  1. Januar PLATZ IM LOUVRE

    KALENDER: Curt von Bardeleben †1924

    Kasparow – Topalov Wijk aan Zee, 31. Januar 1999
    Garri Kasparow beurteilte diese Partie ähnlich wie die Fachwelt: Wunderbar!
    (Larry Christiansen: „Sie verdient einen Platz im Louvre“; Lubomir Kavalek: ››Die faszinierendste Partie, die je gespielt wurde«;
    Kasparow: ››…die beste Partie meines Lebens«).

Mit sehenswerten Turmopfern und einer gnadenlosen Verfolgungsjagd
auf seinen König wird Topalov schließlich in die Knie gezwungen. Empfehlenswert!

1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.Le3 Lg7 5.Dd2 c6 6.f3 b5 7.Sge2 Sbd7 8.Lh6 Lxh6
9.Dxh6 Lb7 10.a3 e5 1 1 .0-0-0 De7 1 2.Kb1 a6 13.Sc1 0-0-0 14.Sb3 exd4
15.Txd4 c5 16.Td1 Sb6 1 7.g3 Kb8 18.Sa5 La8 19.Lh3 d5 20.Df4+ Ka7 21.Thel d4
22.Sd5 Sbxd5 23.exd5 Dd6 (Diagramm 1) 24.Txd4!!.
Nach eigenen Aussagen hoffte Kasparow inständigst auf ein Rückschlagen des Gegners. 24…cxd4?
Ausgleich brächte laut Kasparow
24…Kb6!, worauf 25.Sb3! Lxd5! 26.Dxd6+ Txd6 27.Td2 Thd8 28.Ted1 folgt.
25.Te7+! Kb6 25…Dxe7 26.Dxd4+ Kb8 27.Db6+ Lb7 28.Sc6+ Ka8 29.Da7#.
26.Dxd4+ Kxa5
27.b4+ Ka4 28.Dc3 28.Ta7!! ist nach Lubomir Kavalek der schnellere Weg zum Sieg.
28. …Dxd5
29.Ta7! Lb7 30.Txb7 Dc4. Zäheren Widerstand bot 30…The8!.
Kasparow:
31.Tb6 Ta8 32.Lf1!! Te1+! 33.Dxe1 Sd7 34.Tb7!! Dxb7!! 35.Dd1! Kxa3 36. c3+- / ebenfalls besser: 30…Se4! 31.fxe4 Dc4 32.Ta7!! Td1+
(32…Ta8 33.De3+-) 33.Kb2 Dxc3+ 34.Kxc3 Td6 35. e5 Tb6 36.Kb2 Te8 37.Lg2! Td8 – um das Feld d5 zu überdecken (37…Txe5 38.Lb7+-)
38.Lb7 Td7 39.Lc6!! Td8 (39…Td2 40.Le8+-; 39.Txa7 40.Ld5 und matt im nächsten Zug) 40.Ld7+-.
31.Dxf6 Kxa3 32.Dxa6+ Kxb4 33.c3+! Kxc3 34.Dal+ Kd2 35.Db2+ Kd1 (Diagramm 2)
36.Lf1!!. Kasparow: »Weiß greift die schwarze Dame an, die nicht ziehen darf. Lässt sie das lässt Sie das Feld e2 unbewacht, so setzt Weiß mit De2 matt, geht sie nach e6, so setzt Dc1 matt. Auf 36…Dxf1 folgt 37.Dc2+ Ke1 38.Te7+ und Matt im nächsten Zug.
36…Td2 37. Td7! Txd7 38. Lxc4 bxc4 39. Dxh8 Td3 40.Da8 c3 41 .Da4+ Ke1 42.f4 f5 43.Kc1 Td2 44.Da7.
Hier entschied sich Topalov, aufzugeben. Die Pressemeldungen liefen nun durch die Welt…

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Schachkalender – 30.01.

30.Januar BIOGRAFIE: BORIS SPASSKI

KALENDER: Sam Loyd *1841-1911, am. Rätselkönig • Boris Wassiljewitsch Spasski *1937, russ.-frz.
WM• Alexej Drejew *1969, russ. GM

Der Bär mit der russischen Seele = Boris Spasski

Der am 30. Januar 1937 in Leningrad geborene Boris
Wassiljewitsch Spasski sollte erst nach seiner Niederlage
1972 gegen den Amerikaner Bobby Fischer weltweite
Popularität erlangen. Nicht auf Grund seines exzellenten
Schachs, wohlgemerkt, sondern vielmehr wegen der
höflichen, umgänglichen, kultivierten und weltgewandten
Art und Weise, wie er mit den Launen und exzentrischen
Eskapaden des Amerikaners umging. In der Niederlage
bewies Spasski Größe, und er blieb auch nach
Fischers selbstgewählter Entsagung vom Schach einer
der wenigen, die Kontakt zu dem Amerikaner hatten.
Früh besuchte Spasski den Schachzirkel im Leningrader
Pionierpalast, früh jedoch war auch Spasskis Achillesferse
spürbar: seine geringe Zielstrebigkeit, sein Minimum
an Arbeitseinsatz, seine psychologischen Probleme. 1958 nach einer Niederlage bei
einer Entscheidungspartie gegen Tal »lief ich auf die Straße und schluchzte wie ein
Kind . … Tief innerlich fehlt mir der Glaube an mich selbst«, so Spasski. Die Scheidung
der Eltern, die jüdische Mutter, das Wunderkind-Phänomen – überall gab es Parallelen
zu seinem letzten großen Gegner Bobby Fischer.
Spasski war stets unstet. Er führte mehrere Ehen, er trennte sich von seinen Trainern,
und wurde nie Mitglied der kommunistischen Partei. Politisch wurde er seit 1972 als
unzuverlässig eingestuft und bekam wegen Trainingsmangels sogar ein mehrjähriges
Auslandsspielverbot. Und dennoch ging es seit 1961steil aufwärts: Sieg bei der
UdSSR-Meisterschaft 1961, Sieg beim Zonenturnier 1964, geteilter Sieg beim Interzonenturnier
1964, glorreiche Siege bei den Kandidatenwettkämpfen. Der Weg zum
Kampf um die Schachkrone war frei. Doch hier stand der ungemein zähe, ausdauemde,
jede Gefahr witternde Tigran Petrosjan. Drei weitere Jahre des Wartens
folgten. Erst 1969 war Spasski am Ziel … und doch war es nur ein Anfang.
Das „Match des Jahrhunderts“ sollte 1972 in Reykjavik folgen.
Wir alle wissen, wie dieses Psychodrama ausging. Im »Kampf der Systeme«, zu dem
die Begegnung Spasski – Fischer hochstilisiert wurde, musste der sensiblere Spieler
unterliegen. Und der hieß eindeutig Boris Spasski. Dennoch gewann der Leningrader
gerade in diesem Match die Herzen der Schachwelt. Was machte Spasski
so stark, muss man heute fragen? Dazu die Stimme von Svetozar Gligoric: »Spasski
hat die kolossale Fähigkeit, sich auf die unterschiedliche Spielweise jedes Gegners einzustellen.«

Vielleicht ein Grund, warum uns Deutschen die russische Seele so nah ist,
denn wer kennt es nicht das Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot
mit dem Bären und dessen Sanftmut.

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Schachkalender – 29.01.

  1. Januar PORTRÄT: BORIS SPASSKI

    KALENDER: lrving Chernev * 1900-1981, am. Publizist
    Hans-Joachim Hecht *1939, dt. GM; Raymond Keene *1948, engl. GM u. Publizist
    Boris Wassiljewitsch Spasski * 30. Januar 1937 in Leningrad (Sankt Petersburg)
    Russland/Sowjetunion 10. Schachweltmeister von 1969 bis 1972

Liebevoll wird Boris von Schachliebhabern auch zu den Leningrad Cowboys gezählt,
so dass auch wenn er nichts mit dieser Band sprich den gleichnamigen Musikern zu tun hat.
Wer die Intensität und den Aufwand mit Sekundandten und die Lernmenge vielleicht durch den Film das Damengambit kennt, weiß wie kräftezehrend ein Weltmeitstertitel und dessen Vorbereitung ist.

Allein schon aus der Szene mit dem langjährig härtesten, aber am Ende unterlegenen männlichen Kontrahenten, Benny Watts (Darsteller: Thomas Brodie-Sangster), der Elizabeth Harmon (Beth) im Film „Damengambit“ bei der Turniervorbereitung wie mental unterstützt, erahnt welcher Aufwand bei einer echten Weltmeisterschaft nötig ist. Und Spasski hat es zum echten Weltmeister geschafft und nicht eben nur virtuell oder Hollywood-Netflix-like.

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Schachkalender – 28.01.

  1. Januar HARUN AL-RASCHID

    KALENDER: Karl der Große (748)-814† Chronologie 1 – von 580 bis 1000 <-> 10. Februar
    D – Deutschland, CH – Schweiz, Ö – Österreich, alle anderen Eintragungen (Steinitz, Lasker etc.) sind auch internationale Meilensteine.

    ▪ 580 – Die moderne Form des Schachspiels (Chaturanga, Shatrang) dürfte im heutigen Indien, in der Gegend des Punjabs, entstanden sein. Dafür finden sich deutliche Hinweise im persischen Nationalepos Schähnâme (verfasst von Ferdousí). Auch China wird als mögliche Quelle dieses Brettspiels gesehen. -› 1.Jan.
    ▪ 600 – In Indien ist Schach mit vier Spielern und einem Einsatz von Würfeln verbreitet.
    ▪ 680 – Das königliche Spiel wird unter dem Namen Shatranj [sprich Schatrandsch] in Persien bekannt.
    ▪ 690 – Die ersten eindeutig als Schachfiguren zu identifizierenden Funde, die sogenannten Afrasiab-Figuren, werden in Samarkand gemacht.
    ▪ 800 – Maurische Eroberer bringen das Schach nach Spanien und fast zeitgleich nach Sizilien. [Gibraltar wurde bereits 711 erobert]
    ▪ 800 – Kalif Harun ‘al-Raschid schickt – so die Legende – eine Gesandtschaft ins Frankenreich Karls des Großen, die unter anderem ein Schachspiel überreicht.
    ▪ 820 – Das arabische Schach wird mit festen Figurenaufstellungen, sogenannten Tabijas, begonnen. Zudem finden sich in den frühen islamischen Handschriften berühmte Mansuben (Schlusskombinationen).
    ▪ 940 – Der arabische Historiker al-Mas’üdi erzählt in seinem Werk “Die goldenen Wiesen und Edelsteingruben” die Legende von den Weizenkörnern. -› 2. Jan.
    ▪ 946 – Die von as-Suli komponierte Mansube »Matt der Dilaram« findet sich in der Stambuler Handschrift. -› 5. Jan.
    ▪ 980 – Abü /-Qäsem-e Ferdousí erwähnt im monumentalen persischen Nationalepos
    (Buch der Könige) an zwei Stellen das Schachspiel. -› 2. Jan. [976 mit der Schrift begonnen]
    ▪ 990 – Vermutlich erreicht das Schachspiel um die Jahrtausendwende deutschen Boden. Ein vom Tegernseer Mönch Froumund um 1030 verfasstes Epos erwähnt jedenfalls dieses Spiel.
    ▪ 990 – Das Gedicht von Einsiedeln (auch Versus de scachis) beschreibt das Schachspiel, die Regeln und einige grundlegende Strategien.
    ▪ 996 – Der erste bekannte Meister der Schachgeschichte, as-Suli, stirbt, hinterlässt jedoch in seinem Buch über das Kalifat
    al-Mutawakkils den ältesten Bericht über eine Schachpartie: al-Adli gegen ar-Razi.
    ▪ um 1000 – Das Schachspiel erreicht über Byzanz im Süden und die Wikinger im Norden Russland.

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Schachkalender – 27.01.

  1. Januar ALICE HINTER DEN SPIEGELN

    KALENDER: William Davies Evans *1790-1872 (Evans-Gambit), wal. Meister Lewis Carroll *1838-1892, am. Schriftsteller; Erich Zepler 1898-1980, dt. Studienkomponist; Alexander Nikitin *1935, russ. IM, Trainer von Kasparow; Jeroen Piket *1969, ndl. GM

    Through the Looking-Glass and What Alice Found There
    1871 gab Lewis Carroll (Charles Lutwidge Dodgson) den Nachfolgeband von Alice in Wonderland heraus.
    Anders als im ersten Band, wo Spielkarten als Dauerbrenner das Hauptthema darstellen,
    spielt die Handlung bei Alice hinter den Spiegeln rund um eine Schachpartie. Der Schluss einer regulären Partie bietet den Rahmen für eine bizarre und gleichzeitig liebevolle Reise in eine andere Welt. Alice, die in die Rolle des weißen Damenbauern schlüpft, muss ihren König nicht aus dem Schach bewegen; sie macht alle Züge beider Farben, allerdings nicht unbedingt in der gewohn- ten abwechselnden Folge; die Rochade der Damen ist eine weitere Spezialität dieser Anders-Welt. Bekannt wurden das Nonsensgedicht Jabberwocky, das Ei Humpty Dumpty, die Zwillinge Tweedledee und Tweedledum und die Rote Königin der Welt schenkten.

    Empfehlenswert ist die wunderbar kommentierte Ausgabe von Martin Gardner mit Originalillustrationen von John Tenniel.
    Alice könnte ganz traditionell spielen (Matt in 3): 1.Sg3+ Ke5 2.Dc5+ Ke6 3.Dd6#.
    Auf 1…Kd4/Ke3 folgte 2.Dc3#.

    Doch Hinter den Spiegeln verläuft alles ganz anders:
    1. Alice im (Bd2) begegnet der Roten Königin / Rote Königin auf h5;
    2. Alice trifft auf d4 (die Reise geht per Bahn über d3) Tweedeldee und Tweedledum / Weiße Dame auf c4;
    3. Alice begegnet der Weißen Dame / Weiße Dame verwandelt sich auf c5 in ein Schaf;
    4. Alice auf d5 / Weiße Dame lässt auf dem Weg nach f8 ein Ei zurück;
    5. Alice trifft das Ei Humpty Dumpty auf d6/Weiße Dame auf c8;
    6. Alice durchquert einen Wald nach d7 / Roter Springer auf e7;
    7. Weißer Springer nimmt Roten Springer / Weißer Springer hüpft auf f5 zurück;
    8. Alice krönt sich auf d8 / die Rote Dame eilt auf das schwarze Königsstartfeld e8;
    9. Alice wird Königin/ Die flexiblen Königinnen rochieren;
    10. Alice rochiert bei einem Fest / Weiße Dame geht auf a6;
    11. Alice nimmt die Rote Königin und setzt damit den statisch bleibenden König matt.

    Alice in Wonderland (V.R. Parton 1953) – eine Spielform ähnlich zur beliebten Variante des Tandem-Schachs.
    Grundidee:
    Es gibt zwei Bretter (A mit Grundstellung, B leer); eine Figur muss nach ihrem Zug auf das entsprechende Feld des anderen Bretts gesetzt werden.
    (1) Ein Spieler darf wählen, auf welchem Brett er seinen Zug machen möchte.
    (2) Ein Zug muss auf dem Brett, auf dem er ausgeführt wird, zulässig sein.
    (3) Eine Figur darf nur auf ein Feld bewegt werden oder schlagen, wenn das entsprechende Feld auf dem anderen Brett leer ist. Direkte Schachs sind daher nur auf dem Brett möglich, wo sich die ziehende Figur hinbewegt, d.h., wo die nun bedrohte Figur steht. Abzugschachs dagegen auf dem Brett eines Königs. Kurzkommentar: Für den Anfänger verwirrend, doch für Experimentierfreudige ungemein reizvoll. [nach Lewis Carrolls Alice benannt]

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Schachkalender – 26.01.

  1. Januar VOM ABSTRAKTEN ZUM KONKRETEN

    KALENDER: Gideon Ståhlberg *1908-1967, schwed. GM – Fridrik Olafsson *1935, isländ. GM, FIDE-Präsident 1979-1982

    Spiegelbilder der Gesellschaft
    Unsere vertrauten Schachfiguren haben über eineinhalb Jahrtausende einen ungeheuer langen Weg zurückgelegt.
    Dabei mussten sie sich (wie Kunstwerke ganz allgemein) den gesellschaftlichen und religiösen Vorstellungen der Menschen anpassen. Blitzlichter bzw. Spotlights sollen diese Entwicklung aufzeigen.

    Aus der Zeit der Eroberung Persiens durch die Araber (642) sind bedauerlicherweise keine Schachfiguren erhalten. Wir können nur aus Quellenangaben schließen, dass sowohl indische wie auch persische Figurensätze eine gegenständliche Abbilung zeitgenössischer Armeen darstellten. Ganz verändert war die Situation im arabischen Raum. Wenn auch der Koran gegenständliche Kunst nicht prinzipiell verbot, so gab es doch deutliche religiöse Vorbehalte. Daher wurden nun ausschließlich abstrakte Spielfiguren hergestellt, die zudem den Vorteil der einfacheren Handhabung hatten. Keinesfalls bedeutete dies jedoch einen Mangel an Ästhetik oder Eleganz.

    Spanien, Süditalien und Sizilien kamen unter arabischer Herrschaft früh mit dem vielseitigen und variantenreichen Schach in Verbindung.
    Ob Russland über byzantinische Kaufleute, die die Flusssysteme von Wolga und Dnjepr entlangreisten, das Schach kennenlernte oder es vielleicht doch schon früher direkte arabische Einflüsse gab, lässt sich nicht sicher zu beurteilen. Jedenfalls wurden die arabischen Figurensätze spätestens zu Beginn des 1. Jahrhunderts durch gegenständlichere Formen ersetzt, die der Bildersprache des Christentums und der klassischen Antike entsprachen. Für König und Springer gab es direkte europäische Vorbilder, die übrigen Figuren wurden frei den herrschenden Gesellschaftssystemen angepasst. Zwei Beispiele sollen den Wandel vom Abstrakten zum Gegenständlichen verdeutlichen.
    1) Figurenset Kaiser Karls des Großen (16 Stück erhalten), Süditalien, Elfenbein, 11. Jh.: Thematisch noch mit dem arabischen Raum verbunden (Streitwagen, Elefant), sind diese Figuren plastisch wunderbar ausgestaltet. (▪ -› 28. Jan.)
    2) Lewis-Schachfiguren (78 Figuren aus mehreren Sätzen), Hebriden, Schottland, Walross-Elfenbein, spätes 12. Jh.: Vermutlich wurden sie durch skandinavische Seeleute auf die Britischen Inseln gebracht. Sie stellen die berühmtesten mittelalter- lichen Spielfiguren dar, die vollständig ein europäisches Gesellschaftssystem wider- spiegeln: König, Königin, Bischof, Ritter (Springer) und Türme. Alle haben menschliche Züge, wenn auch einen überaus grimmigen bzw. kämpferischen Blick.
    Nur die Bauern sehen eher wie Grabsteine aus. Die Bischöfe, mit 10,2 cm Höhe die größten Spielsteine, tragen Bischofsstab und Bibel mit sich. Die Türme vermitteln den Eindruck von Berserkern. Alle Figuren sind detailliert mit Kleidung und Waffen dargestellt.
    Der Übergang von der abstrakten zur konkreten Spielfigurendarstellung war damit vollendet.

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Schachkalender – 24.01.

  1. Januar DAS GOLDENE FELD
    KALENDER: Henk Mostert *1925-1999, ndl. ICCF-Präsident

    Schach kann bisweilen eine endlose Reise durch den Raum bedeuten.
    ln dieser weltberühmten Studie von Witali Tschechower ist sie notwendig, um zunächst das Goldene Feld a8 zu er- reichen und von dort aus unbeirrt den Weg in die andere, vom Springer geschützte Ecke anzutreten.

    Witali Tschechower
    Das Goldene Feld 1937
    ▪ Weiß gewinnt Solotoje Polje, Goldenes Feld, ist der sprechende Name dieser berühmten russischen Studie.
    Hier hilft mal das Schwarz-Weiß-Denken:
    Schwarz kann, ohne unmittelbar zu verlieren, allein den Springer auf h8 ziehen;
    Weiß darf seinen König keinesfalls auf ein weißes Feld bewegen, da ein Läuferschach mit Einzug des f-Bauern droht.
    ▪ Daher zunächst 1.Kb2! Sf7 2. Kc3 Sh8 3.Kd4 Sg6; Was aber nun? 4.Ke3 Sh8 5.Kf4 (5.Dh4 Ld3 6.Txh1 gxh1S! – und das Mattfeld f2 ist überdeckt)
    5…Sf7! (5…Sg6? 6.Kg5 mit besserer Stellung) und eine weitere Annäherung ist schwierig, da e5 und g5 vom Springer kontrolliert werden. Auch der Weg über 6. Ke3 Sh8 7.Kd4 Sf7 8.Kc5 Sh8 9.Kd6 Sg6 führt zur Abriegelung der schwarzen Felder.
    Es gibt nur einen Weg, über das sogenannte Goldene Feld: 4.Kc5 Sh8 5.Kb6 Sf7 6.Ka7 Sh8…

    und nun (Diagramm 2): 7.Ka8!! – hier gibt es kein lästiges Läuferschach.
    7 …Sf7 8.Kb8 Sh8 9.Kc7 Sf7 10.Kb6 Sh8 11.Kc5 Sf7 12.Kd4 Sh8 13.Ke5 Sg6+ 14.Kf6 Sh8 15.Kg7 Sf7 16.h8D Sxh8 17.Kxh8 Sg3. Nun muss das andere Ross aus der Ecknische. 18.Dxg3 L~ 19.Dxg2#.
    Der lange Marsch – ganz ohne Raketen, dennoch eine raketig gute Lösung!

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Schachkalender – 23.01.

  1. Januar CITIUS, ALTIUS, FORTIUS! (lateinisch, deutsch: schneller, höher, stärker. – heute eher: schneller, höher, weiter.)

KALENDER: Johann Wolfgang von Kempelen *1734-1804, öst. Erfinder des Schachautomaten
„Der Schach-Türke“ – Henrique da Costa Mecking *1952, bras. GM

Rising stars – but not only short time shooting stars

▪ Paul Morphy kam nach Europa, besiegte sämtliche Gegner mit vernichtenden Ergebnissen –
und zog sich daraufhin völlig vom Schach zurück.
▪ Michail Tschigorin war ein Phänomen, erreichte er doch erst als fast Dreißigjähriger innerhalb weniger Jahre Meisterstärke.
▪ Harry Nelson Pillsbury gewann Hastings 1895, sein erstes (!) internationales Turnier. Er sollte diesen Erfolg niemals mehr wiederholen.
▪ Ossip Bernstein, russischer Staatsbürger, stieg im Berliner Schachklub innerhalb eines Jahres zur Weltelite auf.
▪ José Raul Capablanca war im Alter von knapp über zwanzig in Europa so gut wie unbekannt. 1911 wurde er nach San Sebastian eingelanden, nicht ohne Protest einiger Spieler, da Capablanca noch keine Turniersiege aufwies. Es kam, wie es kommen musste: Capablanca triumphierte über die Weltelite.
▪ Mario Monticellí ist zweifellos der unscheinbarste Name in dieser illustren Liste. 1926 hatte dieser reine Amateur in Budapest mit einem einsamen Triumph seine Sternstunde. 1985 wurde ihm als altem Mann der Großmeistertitel verliehen.
▪ Bobby Fischer gewann 1957 mit 14 Jahren gleich drei amerikanische Meisterschaften: Junior Championship, US-Championship und US Open.
▪ Michail Tal war 1957 ein aufsteigender Stern, drei Jahre später saß er auf dem Weltmeisterthron.
Schachabstinenz
▪ Wilhelm Steinitz spielte zwischen 1873 und 1894 in nur zwei (!) Turnieren.
▪ Amos Burn spielte vor seinem großen Comeback 1886 (drei erste Plätze) mehr als fünfzehn Jahre lang nicht einmal eine Kaffeehauspartie.
▪ Emanuel Lasker hatte kaum den WM-Retourkampf gegen Steinitz gewonnen, als er sich für drei Jahre in Heidelberg fast ausschließlich seinen Doktorarbeiten in Philosophie und Mathematik hingab. 1899 beim Wiedereinstieg in London siegte er dennoch komfortabel mit 23 1/2 von 28 Punkten. Später nahm er weitere lange Auszeiten, zuletzt (1925 bis 1934) volle neun Jahre.
▪ Ossip Bernstein, der große franko-russische Meister, entsagte dem Schach zweimal: zwischen 1920 und 1930 und dann nochmals zwischen 1933 und 1946.
▪ Michail Botwinnik nahm vor dem WM-Kampf 1951 gegen David Bronstein drei Jahre Auszeit, um den Doktortitel zu erwerben.
▪ Henrique da Costa Mecking, Wunderkind und später Geistlicher, musste sich Ende der siebziger Jahre wegen einer Muskelerkrankung vom Schach zurückziehen. 1991 tauchte er geheilt wieder mit großer Ambition in die Szene ein.
▪ Gata Kamsky ist ein moderner Aussteiger, der sich zwischen 1996 und 2004 völlig
von der Schachszene zurückzog. Zunächst entschied sich Kamsky für ein Medizin-, später für ein Jusstudium.

Quelle – pdf:

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Schachkalender – 14.01.

  1. Januar AS TIME GOES BY
    KALENDER:
    1894 wird Lasker gegen Steinitz Weltmeister –
    Humphrey Bogart 1957 Showbiz & Schach Allen, Woody (USA): In seiner typisch ironischen Art meinte Woody Allen einmal: “I was too small for my school chess team.“
    Später schrieb er sogar eine Kurzgeschichte, die er dem Schachthema widmete.
    Bogart, Humphrey (USA): lm unvergesslichen Meisterwerk Casablanca begegnen wir Bogart in der Rolle des Barbesitzers Rick beim Durchspielen einer Schachpartie. Der vom königlichen Spiel besessene Filmstar (er wurde zum besten männlichen Schauspieler aller Zeiten gewählt) und Kettenraucher (Bogart starb an Lungenkrebs) bestand auf diesem zu seiner Biografie passenden Einstieg. Als aufstrebender Künstler hatte er schließlich sein Geld beim Zocken in New Yorker Chess Cafés verdient. Bogart teilte seine Freunde nach deren Schach- wie Trinkfähigkeiten ein.
    Welch bizarre Mischung! Einer seiner großen Triumphe war sein Sieg in einer Simultanpartie gegen Sammy Reshevsky.

    Brando, Marlon (USA): Eine verlorene Partie gegen einen Reporter kommentier- te der leidenschaftliche SchachspielerfoIgendermaßen:“That was the worstinter- view I ever gave.“ (Das war das schlechteste Interview, das ich je gab.)

Chaplin, Charlie (England): Das schachbegeisterte Filmgenie nahm bei keinem Geringeren als Sammy Reshevsky Schachstunden.
Gabor, Zsa Zsa (Ungarn, USA): Die Grande Dame des Films spielte, so besagen ihre Memoiren, mit ihrem Gatten währen der Flitterwochen jeden Tag Schach. Was für eine Partnerin!

Jolson, AI (USA): Der Mann, der 1927 in TheJazz-Singer die ersten — improvisierten — Worte der Filmgeschichte sprach („Wait a minute, wait a minute! You ain’t heard. nothin’ yet! Do you wanna hear ‘Toot-toot—tootsie’?“) gründete auch einen Schach- club fur Radiostars mit dem doppeldeutigen Titel: Knight Riders of the Air (night = Nacht, knight = Ritter; beides wird gleich ausgesprochen).

Lennon, John (Großbritannien): In einer seiner Filmkampagnen für den Frieden spielte John Lennon mit Yoko Ono begleitend zum Song Imagine eine Partie Schach: Beide verwendeten ausschließlich weiße Steine und ein weißes Brett, um die Idee von „Peace and Love“ in die Welt zu tragen.

Wayne, John (USA): Der „Duke“ war beim Schach durchaus reizbar. Nach einer vernichtenden Niederlage gegen den wenig bekannten Schauspieler William Windom soll er in Rage Brett und Figuren vom Tisch gefegt haben — stilecht passend zum Westernheldenimage. Nun, Windom klaubte das Set auf und behielt es als Souvenir. Weitere Schachfreunde im Showbusiness (alphabetisch): Ingmar Bergman, Sarah Bernhardt, Kate Blanchett, Sergei Bondartschuk, Pierce Brosnan, Alistair Cooke, Daniel Craig, Leonardo diCaprio, Henry Darrow, Marlene Dietrich, Sergei Eisenstein, Douglas Fairbanks, Errol Flynn, Henry Fonda, Milos Forman, Harry Houdini, John Huston, Stanley Kubrick, Belinda Lee, Peter Lorre, Madonna, Walter Matthau, Yves Montand, Maureen 0’SuIlivan, Anthony Quinn,Tim Rice, Julia Roberts, Roberto Rossellini, George C. Scott, Shirley Temple, Roger Vadim, Conrad Veidt, Hilary Swank, Emma Watson, Mae West, Billy Wilder

Quelle – pdf:

Schachkalender 14.01. proSchach.de
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Prominente_Schach_Kate_Blanchett
Prominente_Schach_Kate_Blanchett

Schachkalender – 13.01.

  1. Januar UNWIDERSTEHLICH!
    KALENDER: Enrico Paoli *1908-2005, ital. GM u. Studienkomponist

    Ein paar Worte zu Sam Loyd (30.01.1841—10.04.1911):
    Trotz beachtlicher Stärke als Schachspieler war Loyd schon in jungen Jahren vor allem den mathematischen Rätseln zugeneigt. Dennoch haben viele seiner Problemkunstwerke Eingang in die Literatur gefunden, oftmals unter Pseudonymen wie King, Knight oder Bishop.
    Das hier besonders hervorzuhebende und präsentierte Problem leiht er sich übrigens einen Gedichttitel von Henry Wadsworth Longfellow aus.
    Sam Loyd Excelsior 1858 London Era — 13. Januar 1861
    Matt# In 5 Zügen
    Schön locker bleiben und ja keine Angst, Sie müssen sich auf keine unmögliche Denkakrobatik einlassen. Beim berühmten Excelsior-Problem darf das »höher hinauf “steigen”
    (das ist die Bedeutung des lateinischen Namens – Excelsior –) quasi im Lehnstuhl genossen werden. Samuel Loyd, der Puzzlekönig, hat 1858 einem seiner Problemkollegen, Denis Julien, eine kleine Wette angeboten. Denn dieser behauptete großspurig, immer sofort die Figur zu sehen, die keinesfalls matt setzen könne.
    Nun, wie steht es bei lhnen? Schenken Sie dieser Stellung ein paar Sekunden Aufmerksamkeit. ============================================================
    Jetzt zur Auflösung: Es ist der Bauer auf b2, der den Exekutor macht!
    1. b4!.
    Warum nicht gleich Tf5 und matt im nächsten Zug auff1?
    Klar, der schwarze Turm schaltet sich mit einer Fesselung ein (1 …Tc5), und damit wird Matt in 5, wie oben gefordert, unmöglich.
    Trotzdem kommt zunächst 1…Tc5+. Ein Schlagen 1…Txc2 wird mit 2.Sxc2 beantwortet — und anschließend exekutiert der Winkelzug Tf5-f1 ganz ungestört. Der freche b-Bauer beseitigt das erste Hindernis:
    2.bxc5 und stellt gleich eine direkte Mattdrohung auf, nämlich
    3.Tb1#. Nur 2…a2 kann hier Schutz bieten. Doch das weiße Bauerlein marschiert weiter: 3.c6. Ein Schlagen mit 3.cxb6 gibt dem schwarzen Läufer Zeit, sich mit 3…Lc7 und in der Folge Lf4 oder Lxg3 und Le1 lange genug dazwischenzustellen, um obige Mattforderung in 5 zu unterbinden. Sehen Sie selbst. Dennoch: 3…Lc7. Wieder geht der Bauer unbeirrt seinen Weg: 4.cxb7. Das Tragikomische an der schwarzen Lage: Jeder beliebige Zug wird mit der krönen- den Umwandlung des Bäuerleins mittels 5.bxa8D# (was für eine Notation!) beantwortet.
    Eine alte Zen-Weisheit besagt: „Das Hindernis ist der Weg.“

Quelle – pdf:

Schachkalender 13.01. proSchach.de
Schachkalender, Zitate, Schachanekdoten und Schachgeschichte, Schachtageskalender 13.01.